Ärzte Zeitung, 08.12.2005

Verstärktes Lopinavir ist gegen HIV auch langfristig effektiv

Virusmenge im peripheren Blut bei 59 Prozent der Patienten unter der Nachweisgrenze / Sieben Jahre lang wurde behandelt

DUBLIN (awa). Der verstärkte Proteasehemmer Lopinavir/r - kombiniert mit zwei Hemmern der viralen Reversen Transkriptase(NRTI) - hält als Ersttherapie auch nach sieben Jahren Behandlung nach wie vor bei 59 Prozent der HIV-Patienten die Virusmenge im peripheren Blut unter der Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA Kopien pro Milliliter Blut. Resistenzen gegen Lopinavir/r traten nicht auf.

In der bisher längsten Studie mit zuvor nicht behandelten Patienten wurden sieben Jahre lang 62 von anfangs 100 HIV-Patienten erfolgreich mit Lopinavir/r (Kaletra®) plus zwei NRTIs behandelt. Das hat Professor Joep Lange aus Amsterdam beim Aids-Kongreß in Dublin berichtet.

Die endgültige Auswertung ergab in der Intent-To-Treat-Analyse nach 360 Wochen für 61 Prozent der Patienten eine Viruskonzentration unter 400 Kopien und für 59 Prozent eine Viruskonzentration unter 50 Kopien. Werden nur Daten der Patienten ausgewertet, die bis Studienende die Therapie beibehielten, sind es 98 und 95 Prozent.

Bemerkenswert sei auch der kontinuierliche Anstieg der CD4-Zellzahlen, der unabhängig von der Zellzahl zu Studienbeginn bei allen Patienten registriert wurde, sagte Lange auf einer Veranstaltung des Unternehmens Abbott Virology. Im Mittel stieg die CD4-Zellzahl von 275 auf 776 Zellen pro mm3. Nur zwölf Patienten haben Lange zufolge die Studie wegen Lopinavir/r-bedingter unerwünschter Wirkungen abgebrochen.

Am häufigsten berichteten die Patienten über Durchfall, Übelkeit, Lipodystrophie und Bauchschmerzen. Die metabolischen Veränderungen wie Fettstoffwechselstörungen führte Lange auch auf den NRTI d4T zurück: Nach sechs Jahren wurde bei 37 Patienten dieser NRTI gegen Tenofovir ausgetauscht und innerhalb von 24 Wochen sanken bei den bisher ausgewerteten 23 Patienten die vorher erhöhten Triglyzeride und das Gesamtcholesterin signifikant um 185 mg/dl und 26 mg/dl.

Lange hob hervor, daß auch in dieser Studie keine Primärresistenz gegen Lopinavir/r nachgewiesen worden sei. Dr. George Hanna vom Unternehmen Abbott wies darauf hin, daß in den USA bereits die neue Formulierung von Lopinavir/r zugelassen wurde: Statt Kapseln mit 133,3 mg Lopinavir und 33,3 mg Ritonavir, die im Kühlschrank gelagert und mit einer Mahlzeit eingenommen werden müssen, gibt es jetzt Tabletten mit 200 mg Lopinavir und 50 mg Ritonavir ohne diese Einnahmevorschriften.

Statt drei Kapseln zweimal täglich müssen nur zwei Tabletten zweimal täglich eingenommen werden. Hanna rechnet damit, daß in Europa die Tabletten Mitte 2006 zur Verfügung stehen.

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