Ärzte Zeitung, 10.02.2006

HIV-Kranke sollten Therapie nicht auf eigene Faust stoppen

In vorzeitig beendeter Studie schneidet eine kontinuierliche Behandlung besser ab / Therapiepausen beschleunigen Krankheitsprogression

MÜNCHEN/DENVER (nsi). Mit den vorläufigen Ergebnissen der SMART-Studie hat das Konzept der Therapieunterbrechung bei HIV-infizierten Patienten einen Dämpfer bekommen. Doch ad acta gelegt ist das Thema nicht: Einige Praxen haben mit strukturierten Therapiepausen gute Erfahrungen gemacht.

Die SMART-Studie (Strategies for Management of Antiretroviral Therapy) hat einen Nachteil für Patienten unter Therapiepausen im Vergleich zu kontinuierlicher Therapie ergeben. Die Ergebnisse der Zwischenanalyse sind jetzt bei der 13. Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections in Denver in Colorado vorgestellt worden.

Bis zum vorgezogenen Aufnahmestopp von Patienten am 11. Januar 2006 befanden sich 5472 HIV-Infizierte in der Studie (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Die eine Gruppe setzte die begonnene, antiretrovirale Therapie (ART) fort, die andere, gleichgroße Gruppe legte bei einer Zahl der CD4-Zellen von mehr als 350 pro Mikroliter Blut eine Pause ein. Die ART wurde wieder begonnen, wenn die Zahl dieser Zellen auf 250 pro Mikroliter oder weniger gesunken war.

    Strategie der Therapiepausen mit Prednisolon wird derzeit geprüft.
   

Primärer Studienendpunkt war Progression der Erkrankung oder Tod. Diesen erreichten im Studienarm mit den Therapiepausen knapp dreimal so viele Patienten als in der Gruppe mit kontinuierlicher ART (13 versus 5 Prozent). 4,4 Mal mehr Probanden im Pausen-Arm als in der Vergleichsgruppe erreichten CD4-Zellzahlen von weniger als 350/Mikroliter (31,7 versus 7,2 Prozent). Bislang wurden die Patienten 44 Monate nachbeobachtet.

"Ich rate zur Zeit Patienten, die kontinuierlich eine ART erhalten haben, von Unterbrechungen ab", so Dr. Christoph Wyen von der Uniklinik Köln bei den Münchener AIDS-Tagen. Patienten von ihm haben an der SMART-Studie teilgenommen. Es sei aber möglich, so Wyen, daß sich andere Parameter als Kriterien für Pausen besser eigneten als die in der Studie verwendeten.

Im allgemeinen gute Erfahrungen mit Therapiepausen hat Dr. Albrecht Ulmer aus Stuttgart bei 116 Patienten gemacht. Er rät aber erst dann zu Pausen, wenn die Zahl der CD4-Zellen zwischen 500 bis 800/Mikroliter Blut liegt und das klinische Gesamtbild gut ist. Die Patienten erhalten statt der ART 5 mg Prednisolon am Tag.

"Damit kommt eine große Zahl von Patienten zurecht, viele über Jahre", so Ulmer. Jetzt beginne eine große Studie, um die Strategie der Therapiepausen mit Prednisolon zu prüfen. Einig waren sich die Teilnehmer der Münchner Konferenz, Patienten dringend von Unterbrechungen der ART auf eigene Faust abzuraten.

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