Ärzte Zeitung, 23.03.2007

Genial und versessen - Robert Gallo

Aidsforscher wird 70 Jahre / Sein Zukunfts-Ziel: Die Menschheit von Aids befreien

NEW YORK (dpa). Heute wird der Aidsforscher Professor Robert Gallo 70 Jahre alt. "Am liebsten möchte ich bis zum Ende meines Lebens im Labor sein", sagt der Pionier. Gallo, der seit Jahren immer wieder für den Nobelpreis vorgeschlagen wird, möchte die Menschheit von Aids befreien -"obwohl das offenbar viel schwerer ist, als wir anfänglich geglaubt haben".

Ohne seine Arbeit kann er nicht leben, sagt Professor Robert C. Gallo, Mitentdecker des HI-Virus. Foto: dpa

Gallo ist ein unermüdlicher Forscher. Er wurde zwischen 1980 und 1990 häufiger in der Fachliteratur zitiert als irgendein anderer Wissenschaftler weltweit.

Gallos Team fand das erste bekannte menschliche Retrovirus (HTLV-I), das Leukämie hervorrufen kann, und bald darauf ein zweites, HTLV-II. Für diese Entdeckung humaner exogener Retroviren erhielt Gallo 1999 eine der bedeutendsten deutschen Medizin-Auszeichnungen: den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis.

Der als Vorbote des Nobelpreises angesehene Albert-Lasker-Preis wurde ihm zwei Mal verliehen, 1982 für seine Arbeit über virale Ursprünge von Krebs und 1986 für seine Aidsforschung. Sein Streit mit Professor Luc Montagnier um die Entdeckung des Aids-Virus und die Rechte am Aids-Test endete 1994 vor Gericht unentschieden: Die Einnahmen aus dem Aidstest werden geteilt.

Am Krebsinstitut der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) leitete Gallo 23 Jahre lang das Labor für Tumorzellenforschung. 1996 wurde er Direktor des Institute of Human Virology an der Universität Maryland in Baltimore. Dort wird nach natürlichen Substanzen gegen Aids gesucht. Zu den Stoffen, auf die Gallo setzt, gehören auch Bestandteile aus dem Urin schwangerer Frauen.

Kritiker warfen dem eloquenten Buchautoren ("Die Jagd nach dem Virus") und Mitverfasser von mehr als 1 200 wissenschaftlichen Veröffentlichungen vor Jahren Eitelkeit und zu starke Präsenz in den Medien vor. Mittlerweile ist es ruhiger um ihn geworden. Die Suche nach Mitteln zur Vorbeugung und zur Behandlung von Aids lassen ihm wenig Zeit für Auftritte in der Öffentlichkeit.

Und wann gibt es den Impfstoff gegen HIV und Möglichkeiten, Patienten mit Aids zu heilen? "Ich glaube, das ist in zehn bis 15 Jahren machbar", gab sich Gallo noch kürzlich optimistisch.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »