Ärzte Zeitung, 18.04.2007
 

HIV-Therapie braucht Compliance über 90 Prozent

Kontrolle der antiviralen Behandlung reicht allein nicht aus / Vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Patienten wichtig

MÜNCHEN (wst). Menschen mit HIV-Infektion brauchen eine gute Compliance, damit ihre lebenslang nötige antiretrovirale Therapie auf Dauer erfolgreich ist. Eine solche Therapie-Adhärenz erfordert intensive Schulungen und ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten.

Selbst wenn verordnete Medikamente im Schnitt zu 90 Prozent korrekt eingenommen werden, ist langfristig bereits bei über 50 Prozent der Patienten mit einem virologischen Versagen der Therapie zu rechnen. Das heißt, die HIV-Menge im Blut steigt dann wieder. Darauf wies Dr. Annette Haberl vom HIV-Center der Uni Frankfurt/Main bei der "2. Münchner AIDS-Werkstatt" hin. Steigt die durchschnittliche Adhärenz dagegen auf über 95 Prozent an, sinkt die Rate virologischen Versagens auf knapp 22 Prozent, so das weitere Ergebnis einer von Haberl zitierten Studie (Ann Intern Med 133, 2000, 21).

Um die regelgerechte Medikamenteneinnahme zu sichern, seien Kontrollmaßnahmennicht ausreichend zuverlässig, so Haberl. So wird etwa bei Tablettenschachteln mit elektronischer Kontrolle zwar die korrekte Entnahme, aber nicht die korrekte Einnahme überwacht. Mit Wirkspiegelbestimmungen lasse sich immer nur ein kurzer Abschnitt der Therapie überblicken. Und ob ein Patient wirklich macht, was er ins Therapietagebuch einträgt, ist bei mangelndem Vertrauen fraglich.

Haberl betonte, dass außer einer umfassenden und individuell verständlichen Patientenschulung Therapeuten ein Vertrauensverhältnis zum Patienten aufbauen müssten. Dann könne ein Patient, der mit einer Therapie unzufrieden ist oder schlecht mit ihr zurechtkommt, das umgehend sagen, statt die Therapie selbst zu ändern.

Gemeinsam kann dann nach Strategien gesucht werden. Dabei wird eine nicht optimale Therapie, die der Patient aber gut annimmt, letztlich oft effektiver sein als eine Leitlinien-gerechte Therapie, die der Patient ablehnt. Außer einer guten Verträglichkeit kommt erfahrungsgemäß eine möglichst geringe Menge an Tabletten - am besten einmal täglich -, einer optimalen Adhärenz entgegen.

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