Ärzte Zeitung, 12.07.2007

Schulung nimmt HIV-Kranken die Angst vor der Injektion

Patienten decken sich vor Therapiebeginn mit Infos ein

FRANKFURT / MAIN. (ple). Bei der subkutanen Therapie mit dem Fusionshemmer Enfuvirtid zur Behandlung HIV-Infizierter trägt eine strukturierte Schulung dazu bei, die Compliance deutlich zu verbessern und die Angst vor der Injektionstherapie zu verringern.

Der Nutzen der Schulung geht aus der Zwischenauswertung des Connect-Nurse-Programms hervor, das seit mehr als einem Jahr läuft. In dem Programm, von dem es eine Zwischenauswertung mit Daten zu 45 HIV-Infizierten gibt, wird Pflegepersonal geschult, HIV-Infizierten die Scheu vor der Selbstinjektion des Präparates Enfuvirtid (Fuzeon®) zu nehmen. Das Medikament muss zweimal täglich injiziert werden.

"Mehr als jeder Zweite hatte vor Beginn der Therapie Angst vor der Injektion", sagte Dr. Peter Gute aus Frankfurt am Main. 48 Prozent injizierten sich das Medikament beim ersten Mal selbst, die übrigen ließen sich die Injektion von der Pflegekraft geben, so Gute beim 3. Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt am Main. Seinen Erfahrungen zufolge sollte man für die erste Einweisung der Patienten in die Therapie ungefähr eine Stunde einplanen.

Den Patienten stehen für das Erlernen der Injektionstherapie unter anderen ein Video und die Anleitung in der Medikamentenverpackung zur Verfügung, wie Gute auf einer Veranstaltung von Roche Pharma berichtete. Seinen Erfahrungen zufolge nutzten die meisten Patienten vor allem die Anleitung in der Verpackung. Zudem hätten sich mehr als 60 Prozent seiner Patienten vor Einstieg in die Therapie bereits mit Informations-Material beschäftigt.

Nach vier Wochen Behandlung waren 36 Prozent mit der Behandlung zufrieden, nach zwölf Wochen waren es bereits mehr als 50 Prozent. Die Patienten der Untersuchung gaben zudem Tipps, wie sich lokale unerwünschte Wirkungen an der Injektionsstelle verringern lassen. 91 Prozent gaben an, das gelinge durch Kühlen oder Wärmen des Injektionsortes, 73 Prozent sagten, Massieren helfe, und 67 Prozent nannten das Auftragen eines Antihistaminikum-haltigen Gels.

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