Ärzte Zeitung, 29.07.2008

KOMMENTAR

Kondomverzicht? Nein danke!

Von Michael Hubert

Werden Kondome für die HIV-Prävention überflüssig? Wer in die Schweiz blickt, könnte diesen Eindruck gewinnen. Dort meint die Eidgenössische Kommission für Aids-Fragen: Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit einem festen Partner kann verantwortet werden, wenn die Patienten mit Kombitherapie behandelt werden und in ihrem Blut über längere Zeit keine HI-Viren nachweisbar sind.

Die spinnen die Schweizer, würde Obelix sagen. Denn Kondomverzicht erhöht das Risiko einer HIV-Transmission durch die genannten Patienten um den Faktor vier, so Forscher. Doch wie luststeigernd auch immer der Austausch von Körperflüssigkeiten empfunden wird: Eine HIV-Infektion ist weder lustvoll noch lustig - trotz aller Therapiefortschritte.

Und gerade in einer Partnerschaft ist Liebe das Verbindende. Und natürlich auch der Sex, der - egal ob langsam im Bett oder schnell im Gebüsch - mit Gummi erfolgen muss. Eine durch Kondomverzicht übertragene HIV-Infektion jedenfalls ist alles andere als verbindend.

Zwar gilt die Schweizer Empfehlung nur für eine kleine Gruppe von Patienten. Doch auch die können ihre Pillen mal vergessen. Und erneute Virusdurchbrüche sind nie auszuschließen. Das ist das Fatale an der Schweizer Empfehlung: Die Botschaft kann missverstanden werden. Damit wird die Arbeit vieler Aids-Initiativen letztlich konterkariert. Auch in Zukunft muss weiter gültig sein: Mach's mit!

Lesen Sie dazu auch:
HIV-Infizierte leben immer länger

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