Ärzte Zeitung online, 07.08.2008

Ärzte ohne Grenzen: Viele mit HIV bekommen keine Therapie

BERLIN/MEXIKO-STADT (eb). Auf Weltaidskonferenz in Mexiko-Stadt hat die Organisation Ärzte ohne Grenzen vor den tödlichen Folgen gewarnt, die durch den Mangel an medizinischem Personal in der HIV/Aids-Behandlung entstehen.

Ein Beispiel aus der Mittelung der Organisation: "Im Bezirk Thyolo in Malawi hält eine einzige Krankenschwester 400 Patienten am Leben, indem sie die lebensnotwendige Behandlung durchführt. Ihr Grundeinkommen beträgt jedoch gerade drei US-Dollar pro Tag", erklärte Dr. Moses Massaquoi, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Malawi.

"Es ist nicht akzeptabel, wenn Regierungen und Geberländer sagen, dass es nicht nachhaltig ist, ihr Gehalt zu erhöhen. Wer bereit ist, Medikamente zu finanzieren, der muss auch einen Weg finden, um Kosten wie Gehälter abdecken zu können."

Einen Schritt in die richtige Richtung geht der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, indem er sich für die Stärkung von Gesundheitssystemen öffnet. Länder sollten diese Fördermöglichkeiten nutzen, um medizinisches Personal zu finden und zu halten. Nationale und internationale Finanzinstitutionen müssen Ausgabenbegrenzungen im Bereich Arbeitskraft und Löhne aufheben, sonst werden die Einstellung von Personal sowie Gehaltserhöhungen selbst mit zusätzlichen Geldern nur sehr eingeschränkt möglich sein.

Die wachsende Zahl der Patienten mit HIV/Aids, die eine antiretrovirale Therapie begonnen haben, erhöht die Last auf das Gesundheitspersonal. Die Mitarbeiter haben wenig Zeit für die Patienten. Dies kann zu niedriger Qualität und Unterbrechungen in der Behandlung führen, und Patienten werden durch die langen Wartezeiten mehr und mehr entmutigt.

"Es ist erschütternd zu beobachten, wie Menschen immer kränker werden und manchmal auch sterben, während sie Wochen oder Monate darauf warten, behandelt zu werden. Und das nur, weil es nicht genügend Personal gibt", sagte Mit Philips von Ärzte ohne Grenzen. "Gesundheits-Personal im südlichen Afrika ist überarbeitet, unterbezahlt und unterbewertet."

Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen machen erfolgreiche Pilot-Projekte, um die Arbeit bei der HIV/Aids-Behandlung besser zu verteilen, vor allem in ländlichen Gebieten. Dabei werden unter anderem Aufgaben von Ärzten an Pflegepersonal übertragen. Durch diese Umverteilung sowie Training können Krankenschwestern und Laienberater bei gleicher Qualität mehr und schneller Patienten erreichen, wie Projekte in Malawi, Lesotho, Südafrika und Ruanda zeigen. Allerdings kann dies konkrete Maßnahmen gegen den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften nicht ersetzen.

Noch immer erhalten 70 Prozent der Menschen, die eine HIV/Aids-Behandlung brauchen, keine antiretrovirale Therapie. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen versorgt in 27 Ländern 140 000 HIV/Aids-Patienten, darunter 10 000 Kinder, mit antiretroviralen Medikamenten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Ausreichend Folsäure schützt Hypertoniker vor Schlaganfall

Bestimmte Hypertoniker sollten auf eine gute Folsäureversorgung achten. Dadurch können sie ihr Schlaganfallrisiko deutlich senken. mehr »

Feinsinnige Geister und Antisemiten

Ein neues Buch beleuchtet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin während des Nationalsozialismus. Am Fallbeispiel Emil von Bergmann erkennen Leser, wie zwiegespalten die DGIM-Mitglieder waren. mehr »

Saunieren schützt vor Schlaganfall

Möglicherweise beugt häufiges Saunieren Hirninfarkten vor. In einer finnischen Studie war die Schlaganfallrate bei Saunafans um 60 Prozent reduziert - dafür mussten Saunagänger aber einen Faktor beherzigen. mehr »