Ärzte Zeitung online, 20.08.2008

Ärzte bieten in Schwulentreffs Beratung und HIV-Schnelltests an

DÜSSELDORF (iss). Mit neuen niederschwelligen Angeboten unter dem Motto "Beratung und Test" (BuT) reagiert die Aids-Hilfe Nordrhein-Westfalen auf die steigende Zahl von HIV-Neudiagnosen bei schwulen Männern.

Spätestens ab Anfang 2009 wollen Mitarbeiter der Aids-Hilfe gemeinsam mit Ärzten in zunächst fünf Regionen in Schwulentreffs gehen und den Männern vor Ort eine Beratung und einen HIV-Schnelltest anbieten.

Nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts ist 2007 die Zahl der HIV-Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben, um 20 Prozentpunkte gestiegen, verglichen mit einer Zunahme von vier Prozentpunkten über alle Gruppen. "Wir müssen für die neuen Herausforderungen Konzepte entwickeln", sagt Rainer Martin Hinkers, Vorstand der Aids-Hilfe NRW.

Dazu gehöre es, die Präventionsangebote noch individueller und szenenäher zu gestalten. Mit BuT will die Aids-Hilfe in Saunen oder an anderen Treffpunkten Männer erreichen, die sich mit Blick auf eine mögliche HIV-Infizierung riskant verhalten. Nach einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts seien 46 Prozent der schwulen Männer bereit zum sogenannten "Serosorting", sie wollen die Wahl zwischen safer oder ungeschütztem Sex vom Serostatus des Partners abhängig machen. Vor dem Test bei einem Gesundheitsamt schreckten aber viele zurück, sagt Hinkers.

Hat der HIV-Schnelltest ein positives Ergebnis, folgt ein Western-Blot-Test zur endgültigen Abklärung. Dem Betroffenen wird sofort eine ausführliche Beratung angeboten und auf Wunsch ein ehrenamtlicher Lotse zur Begleitung zur Seite gestellt.

"Wer mehr über sich und seine Gesundheit weiß, ist auch eher bereit, ein Kondom zu benutzen", sagt Dirk Meyer, Geschäftsführer der Aidshilfe NRW. Wichtig bei BuT sei die enge Kooperation von Aids-Hilfe, Schwuleninitiativen und Gesundheitsämtern. "Es geht um eine Ergänzung, keinen Ersatz der bisherigen Angebote der Gesundheitsämter", betont er. Vor Ort stimmen die Beteiligten ab, wer den Test vornimmt, in Dortmund wird es voraussichtlich ein niedergelassener Arzt sein. In Düsseldorf wird ein entsprechendes Angebot bereits modellhaft erprobt, berichtet Meyer. Unter dem Motto "Schwitzen bis der Doktor kommt", geht ein Arzt regelmäßig in eine Schwulen-Sauna und bietet den Test an. "Das wird gut angenommen."

Wichtig sei, dass die Beratung und der HIV-Test kostenlos sind, sagt Meyer. Darüber werde zurzeit noch verhandelt. Bislang sind ausschließlich die Test-Kits in den Gesundheitsämtern kostenfrei. Der HIV-Schnelltest könne dazu beitragen, dass mehr Infizierten als bisher der Zugang zu einer HIV-Therapie ermöglicht wird. In Nordrhein-Westfalen seien im vergangenen Jahr etwa 130 Personen an Aids gestorben, berichtet Meyer. "40 Prozent hätten nicht sterben müssen, wenn sie rechtzeitig ihr Testergebnis gekannt hätten und rechtzeitig behandelt worden wären."

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