Ärzte Zeitung, 20.07.2009

HIV-Therapie beugt Begleiterkrankungen vor

TB, Malaria, Krebs sind weltweit häufige Folgen der HIV-Infektion. Wirksame antivirale Therapien beugen vor, belegen Studien beim Aids-Kongress in Kapstadt.

Von Heinz Dieter Rödder

Blutzellen mit HIV.

Foto: Sebastian Kaulitzki©www.fotolia.de

KAPSTADT. Bei der internationalen Aids-Konferenz in Kapstadt werden bedeutende Fortschritte auf vielen Gebieten der klinischen Erforschung der HIV-Infektion vorgestellt. Einige Studiendaten dazu wurden in einer Vorausschau der internationalen Aids-Gesellschaft zu Kongressbeginn präsentiert. So wird derzeit untersucht, wie sich die antiretrovirale Therapie auf Raten von Koinfektionen mit Tuberkulose und Malaria auswirkt, ein häufiges Problem in Südafrika, dem Gastland der Aids-Konferenz. Denn die HIV-Infektion fördert Tuberkulose-Infektionen.

TB-Rate in Kap-Provinz ging von 9 auf 3 Prozent zurück

Dagegen hilft eine verbesserte antiretrovirale Therapie, wie Daten belegen, die aus der Kap-Provinz kommen. Hier ist durch verbesserte antiretrovirale Therapie die TB-Rate in einer Untersuchung bei HIV-Infizierten zwischen 2005 und 2008 von 9 Prozent auf 3 Prozent zurückgegangen. Bei nicht mit HIV-infizierten ist im Gegensatz dazu die Tuberkuloserate etwas gestiegen.

Dass eine gute antiretrovirale Therapie die Ausbrüche von Malaria vermindert, belegen Daten einer Untersuchung aus Uganda, die bei der Konferenz vorgestellt werden. Hier ist bei einer Gruppe von HIV-Infizierten die Malaria-Inzidenz nach Beginn der antiretroviralen Therapie laufend zurückgegangen, von 591 pro 1000 Personenjahre nach einem Jahr Behandlung auf 476 nach zwei Jahren, auf 259 nach drei Jahren und auf 153 nach noch längerer Behandlung. Eine multivariante Analyse hat offenbart, dass das Risiko für eine Malaria umgekehrt proportional der Zahl der T-Helferzellen zu Beginn der antiretroviralen Therapie ist.

Da immer mehr HIV-Infizierte immer länger antiretroviral behandelt und immer älter werden, bekommen die Inzidenzen von Krebserkrankungen, die keine Folge der HIV-Infektion sind, eine steigende Bedeutung. Auch hierzu werden bei der Konferenz neue klinische Daten vorgestellt. In einer Studie aus den Niederlanden wurden etwa 10 000 Menschen untersucht, die seit 1995 antiretroviral behandelt worden waren. Aus der Analyse der Krebserkrankungen, die nicht auf HIV zurückzuführen waren und bei 2,3 Prozent der Behandelten aufgetreten waren, ließen sich drei Faktoren identifizieren, die unabhängig voneinander das Risiko für eine solche Krebserkrankung fördern. Mit jedem Jahr, in dem die Zahl der T-Helferzellen unter 350 pro Mikroliter Blut liegt, steigt die Rate um 9 Prozent, jedes Jahr mit einer nachweisbaren Viruskonzentration steigt die Rate ebenfalls um 9 Prozent und jedes Jahr der HIV-Infektion steigert die Rate um 4 Prozent.

Antivirale Therapie beugt Analkarzinomen nicht vor

Das Vermeiden einer Infektion und eine gute Therapie gehen also mit einer niedrigeren Inzidenz von Krebs einher. In einer anderen Studie aus den USA wurde allerdings belegt, dass eine antiretrovirale Therapie nicht Analkarzinomen vorbeugt. Hier waren in den USA über 5000 HIV-Positive auf die Inzidenz eines Analkarzinoms untersucht worden. Diese Rate betrug vor der Einführung einer antiretroviralen Therapie 17 pro 100 000 Personenjahre, 91 während der ersten Jahre der antiretroviralen Therapie und 244 in der späteren Phase der Therapie.

Neue Daten belegen auch den enormen Fortschritt der antiretroviralen Therapie bei Kindern. Hier konnte gezeigt werden, dass eine frühe Diagnose und eine frühe Therapie die Sterberate der Kinder um 76 Prozent und die Progressionsrate zu Aids um 75 Prozent senkt.

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