Ärzte Zeitung, 11.11.2009

Orale Pilzinfektion - Da ist ein HIV-Test angesagt

Orale Pilzinfektion - Da ist ein HIV-Test angesagt

Frühdiagnostik liegt oft in Händen der Hausärzte

KÖLN (aza). Etwa jeder dritte HIV-Infizierte in Deutschland weiß nichts von seiner Infektion. Verpasste Chancen einer frühzeitigen Therapie und die Gefahr einer unbewussten Verbreitung von HIV sind die Folge.

In der Erkennung dieser Infektionsträger kommt Hausärzten eine entscheidende Bedeutung zu, betonte Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Denn die Betroffenen würden wegen HIV-typischer Veränderungen und Erkrankungen ärztliche Hilfe suchen.

Zu den Erkrankungen, bei denen der Verdacht auf eine zugrunde liegende HIV-Infektion bestehen sollte, zählten eine Gürtelrose bei jüngeren Patienten, orale Pilzinfektionen, unklare Thrombopenie, HIV-typische Tumorerkrankungen wie Lymphome und Kaposi-Sarkom oder auffällige gynäkologische Befunde. Wegen Gemeinsamkeiten in den Übertragungswegen sollte auch eine Hepatitis Anlass für einen HIV-Test sein. Eine primäre HIV-Infektion kann sich in einem Mononukleose-ähnlichen Krankheitsbild äußern.

"Ich denke, es ist heute auch wichtig, eine Sexualanamnese zu erheben", betonte Rockstroh, der Präsident der heute in Köln beginnenden 12. Europäischen Aids-Konferenz ist. Die frühzeitige Entdeckung HIV-Infizierter sei wichtig, weil die Betroffenen ansonsten den heute möglichen Nutzen der Therapie nicht ausschöpfen könnten. Aber auch die Gesamtgesellschaft profitiere von der rechtzeitigen Diagnose, betonte Rockstroh.

Lesen Sie dazu auch das Interview:
HIV-Therapeuten brauchen die Hilfe von Hausärzten

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Fortschritte und Defizite bei HIV

Lesen Sie dazu auch:
Mensch in der Kugel sensibilisiert für Aids

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Resolution gegen DSGVO-Verunsicherung und Abmahn-Angst

Nach einer ersten Abmahnwelle in Bremen wächst bei Ärzten die Verunsicherung wegen der Datenschutzgrundverordnung. 60 Verbände und die KBV haben darauf nun reagiert. mehr »

Der kleine Unterschied ist größer als gedacht

Krankheiten verlaufen bei Männern und Frauen unterschiedlich, das ist bekannt. Die Gendermedizin deckt immer mehr die geschlechtsspezifischen Besonderheiten auf. mehr »

Neue Leitlinie stärkt medikamentöse ADHS-Therapie

In den neuen S3-Leitlinien zu ADHS wird die medikamentöse Therapie bei mittelschweren Symptomen gestärkt. Experten betonen aber, dass die Arzneien nur ein Teil eines umfassenden Therapiekonzepts sein dürfen. mehr »