Ärzte Zeitung, 01.02.2010

HIV: Therapie-Umstellung ohne Probleme

Anhaltend potente Virushemmung trotz Wechsel der antiretroviralen Behandlung

BASEL (aza). Bei HIV-Infizierten wird nach einer Therapie-Umstellung - etwa wegen Unverträglichkeit - langfristig eine fast ebenso gute Virus-Unterdrückung erzielt wie bei Patienten ohne Umstellung.

Dass der Therapieerfolg durch die Umstellung nicht beeinträchtigt wird, geht aus den Ergebnissen einer aktuellen Auswertung der Langzeitverläufe von Patienten der Swiss Cohort Study hervor (Arch Intern Med 170 / 1, 2010, 57). Der Beginn der antiretroviralen Therapie lag im Zeitraum 2005 bis 2008. In der Studie wurden die Häufigkeit unerwünschter Wirkungen, die ein Absetzen oder eine Umstellung der Therapie erforderten, sowie die Auswirkungen einer solchen Therapiemodifikation auf den Therapieerfolg untersucht.

Änderungen der Initialtherapie waren im ersten Jahr häufig notwendig: 41,5 Modifikationen auf 100 Patientenjahre. Unerwünschte Wirkungen der antiretroviralen Medikamente waren die Hauptgründe und verursachten 22,4 nebenwirkungsbedingte Modifikationen auf 100 Patientenjahre. Am besten vertragen wurde - mit nur 11,7 Modifikationen auf 100 Patientenjahre - die Initialtherapie mit Tenofovir, Emtricitabin und Atazanavir (in Kombi mit niedrig dosiertem Ritonavir).

Besonders wichtig war aber nach Einschätzung der Infektiologen um Professor Manuel Battegay aus Basel die Beobachtung, dass sich eine Therapie-Umstellung auf den Therapieerfolg nicht negativ auswirkte: Auch bei jenen, die wegen Arznei-Nebenwirkungen auf eine andere Kombitherapie umgestellt wurden, lag nach einem Jahr die HI-Virusmenge bei 85 Prozent der Patienten unter der Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter. Bei denen, die die Initialtherapie beibehalten hatten, lag der Anteil bei 87 Prozent.

Dagegen erreichten Patienten mit Therapieunterbrechungen - länger als vier Wochen - mit 47 Prozent signifikant seltener eine solche Virusunterdrückung. Für einen anhaltenden Erfolg sind daher ein engmaschiges Monitoring und - bei Bedarf - die rechtzeitige Therapie-Umstellung entscheidend, betonen die Forscher.

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