Ärzte Zeitung online, 09.07.2010

Hintergrund

Wie die Antikörper das Andocken der HI-Viren unterbinden

BETHESDA (ple). Die jetzt von US-Forschern entdeckten Antikörper docken offenbar so an HIV-1, dass dies die Bindung zwischen einem Lymphozyten und dem Virus nachahmt. So können die Viren von den Zellen ferngehalten werden.

Alle HIV-1-Varianten brauchen als Eintrittspforte in Lymphozyten das Molekül CD4 auf der Membranoberfläche dieser Zellen. Deshalb ist für Impfstoffforscher das Oberflächenmolekül gp120 von HIV-1, das an den CD4-Marker auf Immunzellen bindet, von besonderem Interesse. Hauptproblem der Impfstoffentwicklung ist allerdings die hohe Variabilität des Aids-Erregers. Sie verhindert, dass eine Vakzine gegen bestimmte Virusstrukturen anhaltend wirksam ist. Denn die meisten Antikörper erkennen jene Virusstrukturen, die dem ständigen Wandel unterworfen sind.

Im Serum HIV-Infizierter wurden bereits früher neutralisierende Antikörper entdeckt. Sie deckten aber nur etwa 40 Prozent aller bekannten HIV-Varianten ab. Die US-Forscher unter anderen am Vaccine Research Center der Nationalen Gesundheitsinstitute in Bethesda in Maryland haben nun die Antikörper bei einem afrikanischen Patienten entdeckt, der als Donor 45 bezeichnet wird (Science online). Sie hatten dazu die Antikörper-produzierenden B-Zellen des Patienten isoliert.

Struktur einer der Antikörper aufgeklärt

Einer weiteren US-Forschergruppe, die bereits vor drei Jahren auf solche Antikörper gestoßen sind, gelang es darüber hinaus, die Struktur eines der jetzt entdeckten Antikörper aufzuklären (Science online). Daraus konnten sie ablesen, dass der Antikörper an den Rezeptor auf dem Virus so bindet wie der Zellrezeptor, allerdings mit dem Unterschied, dass der Kontakt über eine Region des HIV-Moleküls erfolgt, die bei den meisten HIV-Varianten unverändert ist. Alle beteiligten Forscher sind der Überzeugung, dass ihre Entdeckungen wesentlich zur Entwicklung besserer Impfstoffe gegen HIV als bisher beitragen können.

Bereits im vergangenen Jahr hatten - ebenfalls US-Forscher - neutralisierende Antikörper im Serum HIV-Infizierter entdeckt, die bis zu 78 Prozent aller HIV-Varianten unschädlich machen können (Science 2009; 326: 285).

So groß die Begeisterung über die jüngsten Entdeckungen auch sein mögen: aus Ergebnissen der Grundlagenforschung und bisherigen Impfstoffstudien geht klar hervor, dass neutralisierende Antikörper nur eine Seite der Medaille sind. Denn um einen guten Schutz vor dem HIV-Erreger zu erzielen, muss auch die zelluläre Immunabwehr gegen den Aids-Erreger gestärkt werden.

Lesen Sie dazu auch:
US-Forscher entdecken potente Antikörper gegen den Aids-Erreger HIV

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »