Ärzte Zeitung online, 22.07.2010

Lady Gaga und die Mutter-Kind-Prophylaxe in Afrika

Erste Erfolge in Südafrika

WIEN (dpa). Die HIV-Epidemie ist besonders schlimm, wenn es um Kinder geht. Noch immer kommen Schätzungen zufolge jährlich 400 000 Babys mit einer HIV-Infektion zur Welt. Aber in der Prophylaxe tut sich was, speziell in Südafrika.

Von Carola Frentzen

Lady Gaga und die Mutter-Kind-Prophylaxe in Afrika

Viele Prominente setzen sich in Afrika für die Aids-Prävention ein - darunter auch die US-Popsängerin Lady Gaga, hier bei der Verleihung des Echo-Awards in Berlin.

© dpa

Manchmal gibt es bei so traurigen Themen wie HIV und Aids auch gute Nachrichten. Zwar ist die Suche nach einem Impfstoff nach wie vor schwierig und auch die Tatsache, dass rund 33,4 Millionen Menschen heute das Virus in sich tragen, sind alles andere als ein Grund zur Freude. Aber in der Prävention der Mutter-Kind-Übertragung (PMTCT) des Virus tut sich was. Zumindest in der westlichen Welt kommen heute nur noch wenige Kinder von infizierten Frauen mit HIV auf die Welt. "In Österreich liegt der Prozentsatz heute bei unter einem Prozent", erläuterte die Wiener Aids-Spezialistin und Co-Vorsitzende der Weltaidskonferenz Professor Brigitte Schmied kürzlich.

Mit der Gabe antiretroviraler Medikamente (ART) kann eine Infizierung des Kindes während der Schwangerschaft, bei der Geburt und durch Muttermilch heute durchaus verhindert werden. In Entwicklungsländern ist die Versorgung mit ART's aber immer noch schwierig - vor allem in den ländlichen Gebieten, wo das nächste Krankenhaus oft weit entfernt liegt. "2008 erhielten in der Region etwa 45 Prozent HIV-positiver, schwangerer Frauen entsprechende Medikamente, ein Jahr zuvor waren es noch 35 Prozent", rechnete der UNAIDS-Direktor Michel Sidibé kürzlich bei einem Besuch in Uganda vor.

Fortschritte gibt es vor allem in Südafrika, einem der weltweit am schlimmsten von der Immunschwächekrankheit betroffenen Ländern. Es geht voran, seit Präsident Jacob Zuma der Pandemie im vergangenen Jahr den Kampf angesagt hat. Besonders für schwangere Frauen und Babys könnte sein Plan, der unter anderem eine Verringerung der Sterblichkeitsrate von Müttern und Neugeborenen sowie eine verbesserte Mutter-Kind-Prophylaxe vorsieht, den lang erhofften Wandel bringen.

Die Fortschritte sind wirklich beträchtlich, wenn man bedenkt, dass Zumas Vorgänger Thabo Mbeki bestritten hatte, dass Aids durch Viren entsteht. Seine langjährige Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang empfahl statt Medikamenten noch Knoblauch und Rote Beete.

In Zumas Konzept passt dagegen eine gemeinsame Initiative vom Kinderhilfswerk Unicef mit dem MAC AIDS Fund. Die Kosmetikfirma hat mit ihrer Stiftung und dem Erlös aus dem Verkauf eines speziellen Lippenstifts in den vergangenen 20 Jahren rund 180 Millionen Dollar (140 Millionen Euro) gesammelt. Gesichter der Aids-Kampagne sind unter anderem Cyndi Lauper, Dita von Teese und Lady Gaga. "Und wenn Lady Gaga sagt "Schützt Euch!", dann hören die Leute zu", sagte Nancy Mahon vom MAC AIDS Fund.

Seit zwei Jahren leitet Unicef mit den Lippenstift-Geldern und Unterstützung der Regierung ein Programm, mit dem zahlreichen Frauen in Südafrika ein leichterer Zugang zu HIV-Tests und Schwangerschaftsberatung ermöglicht wird. "Vor allem wollen wir den Frauen die Scham nehmen, denn ein HIV-Test ist in weiten Teilen des Landes immer noch so etwas wie ein Stigma", erklärte die Leiterin des Unicef-Projekts, Siobhan Crowley. Zudem konnten mit Hilfe des Programms über 2000 Krankenpfleger ausgebildet werden. Bisher wurden über 230 000 Frauen getestet und über 47 000 von ihnen erhielten bereits Medikamente, damit ihre Babys HIV-negativ auf die Welt kommen.

Grund zum Jubeln gibt es aber noch lange nicht, denn pro Jahr kommen weltweit noch immer 400 000 Babys mit einer HIV-Infektion zur Welt. Die US-Ärztezeitschrift JAMA rechnete bei der Weltaidskonferenz vor, dass eine prophylaktische Behandlung der Mütter rund um die Geburt und eine kurzzeitige Therapie des Neugeborenen die Übertragungsrate von 30 bis 40 Prozent auf weniger als zwei Prozent senken könnte.

Die simpelste Methode sieht die einmalige Gabe des Anti-HIV-Wirkstoffes Nevirapin für die werdende Mutter unmittelbar vor der Entbindung und eine einmalige Gabe für das Baby vor. Das ist relativ wirksam, denn die Zahl infizierter Neugeborener verringert sich so von 30 (ohne Zugabe von Medikamenten) auf 16 pro 100 Geburten, erklärte die Aids-Spezialistin Laura Guay.

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