Ärzte Zeitung online, 22.07.2010

"Aidswaisen werden nicht genug beachtet"

"Aidswaisen werden nicht genug beachtet"

Vier Millionen Kinder sind südlich der Sahara durch Aids zu Waisen geworden

WIEN (dpa). Schätzungen des UN-Aidsprogramms UNAIDS zufolge leben allein in Afrika südlich der Sahara mehr als vier Millionen Kinder, die durch Aids entweder die Mutter oder beide Elternteile verloren haben. Dieser soziale Aspekt der HIV-Pandemie werde nicht ausreichend beachtet und untersucht.

"Diese Kinder leben oft ein Leben in stiller Verzweiflung, während sie ums Überleben kämpfen", sagte Professor Alan Whiteside, Gründer und Direktor der "Health Economics and HIV/AIDS Research Division" (HEARD) an der Universität von KwaZulu-Natal in Südafrika am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa.

Oftmals würden die Kinder von den Großeltern aufgenommen, die jedoch selbst in äußerster Armut lebten. Glücklicherweise gebe es zahlreiche Hilfsorganisationen, die sich dem Schicksal der Aidswaisen widmeten, fügte Whiteside am Rande der Weltaidskonferenz in Wien hinzu. "In vielen Ländern des südlichen Afrika bekommen die Kinder zudem staatliche Unterstützung, aber etwa in Mosambik, Malawi und Simbabwe sieht die Sache anders aus. Ohne humanitäre Organisationen wie World Vision oder Save the Children hätten die Waisen kaum eine Zukunft."

Die langfristigen sozialen Auswirkungen der HIV-Epidemie seien kaum erforscht. "Wir wissen noch gar nicht, wie sich dieses Trauma auf die Psyche der Kinder auswirken wird", sagte der Experte. "Es wäre sinnvoll, einmal zu untersuchen, was seinerzeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland oder nach dem Pol-Pot-Regime in Kambodscha mit den Waisenkindern geschehen ist."

Lesen Sie dazu auch den Standpunkt:
Wissen ist Macht gegen HIV

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