Ärzte Zeitung online, 16.09.2010

Künstliche Befruchtung bald auch für Paare mit HIV

BERLIN (eb). Paare mit HIV können die künstliche Befruchtung in Zukunft als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Die bislang bestehende Ausschlussklausel hat der Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) am Donnerstag in Berlin aus der Richtlinie gestrichen.

Künstliche Befruchtung bald auch für Paare mit HIV

Entschied zugunsten HIV-positiver Paare - der G-BA in Berlin.

© dpa

Bisher galt, dass beide Ehepartner zum Zeitpunkt einer künstlichen Befruchtung HIV-negativ sein mussten. Damit konnten von HIV-infizierte Ehepartner diese Leistung nicht als Kassenleistung in Anspruch nehmen. Eine Ausschlussklausel für andere Erkrankungen gab es allerdings nicht.

Der Beratungsantrag wurde nach Angaben des G-BA von der Patientenvertretung vor allem damit begründet, dass HIV-positiven Versicherten die Leistungen schon wegen der Gleichbehandlung gegenüber Versicherten mit anderen Erkrankungen zur Verfügung stehen müssten.

In der Begründung des am Donnerstag gefassten Beschlusses legt der G-BA dar, dass schwerwiegende Erkrankungen bei einem oder bei beiden Partnern ohnehin eine medizinische Bewertung des individuellen Risikos einer Schwangerschaft oder deren Herbeiführung durch Maßnahmen der künstlichen Befruchtung erfordern.

Dies gelte bei einer HIV-Infektion ebenso wie bei einer Vielzahl von anderen Erkrankungen. "Ein Sonderstatus der HIV-Infektion lässt sich in diesem Zusammenhang medizinisch nicht begründen", sagte Dr. Harald Deisler, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung.

Beim Robert Koch-Institut wurden für das Jahr 2009 insgesamt 2856 neu diagnostizierte HIV-Infektionen gemeldet. Derzeit leben etwa 55 000 Menschen in Deutschland mit dem HI-Virus.

Der Beschluss des G-BA muss nun dem Bundesgesundheitsministerium zur Prüfung vorgelegt werden. Wird er dort nicht beanstandet, tritt er nach der Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft.

Lesen Sie dazu auch:
Bundesausschuss weitet Impfungen aus
Valproinsäure jetzt auch gegen Migräne
Nutzenbewertung: GBA fürchtet neues Konfliktpotenzial
Künstliche Befruchtung bald auch für Paare mit HIV

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »