Ärzte Zeitung, 03.06.2011

Aids: Mit lebenslanger Kombitherapie ein fast normales Leben

Nach 30 Jahren Arznei-Forschung stehen den HIV-Therapeuten mehr als 20 Präparate gegen HIV zur Verfügung, die eine wirksame Kombitherapie aus in der Regel drei Präparaten gewährleisten.

zur Galerie klicken

Sie sind so wirksam, dass HIV-Infizierte heute eine normale Lebenserwartung haben - vorausgesetzt, die Therapie beginnt frühzeitig. Da auch in Deutschland mindestens zehn Prozent der HIV-Infizierten resistente Viren in sich tragen, sollte sich die Auswahl der Präparate gegen HIV an Resistenztests orientieren.

Den Empfehlungen der Deutsch-Österreichischen Fachgesellschaft zufolge sollten HIV-Infizierte eine Kombitherapie aus einem nukleosidischen reverse Transkriptase-Hemmer (NRTI), einem nicht-nukleosidischen NRTI (NNRTI) und einem Protease-Hemmer (PI) oder einem Integrase-Hemmer erhalten.

Kombinationen aus zwei NRTI mit einem NNRTI, einem PI/r oder Raltegravir hätten sich als sehr wirksam, sicher und gut verträglich erwiesen. Liegt die T-Helferzellzahl unter 200 pro μl Blut, sollte nach Ansicht der Bonner HIV-Therapeuten Dr. Martin Vogel und Professor Jürgen Rockstroh eine Prophylaxe opportunistischer Infektionen etwa mit Cotrimoxazol erfolgen (MMW 2011; 18: 32).

Ziel der hochaktiven antiretroviralen Therapie: dauerhaft weniger als 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Plasma. Die HIV-Therapeuten empfehlen bereits nach vier Wochen die erste Wirksamkeitskontrolle.

Das bedeutet, dass dann die Virusmenge um den Faktor 100 im Vergleich zu Therapiebeginn gesunken sein sollte. Spätestens nach einem halben Jahr Therapie sollte die Zahl der HIV-RNA-Kopien unter 50 / ml liegen.

Liegt der Wert darüber, empfehlen die Ärzte, die Adhärenz zu überprüfen sowie nach möglichen Arznei-Interaktionen zu suchen. Resistenztests könnten sich anschließen. (ple)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

SPD will "Ende der Zwei-Klassen-Medizin"

14:10 Nach der knappen Abstimmung pro GroKo-Verhandlung geht es nun darum, die auf dem SPD-Parteitag angesprochenen "Nachbesserungen" in den Koalitionsvertrag reinzuverhandeln. KBV und Hartmannbund reagieren skeptisch. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »