Ärzte Zeitung, 18.07.2011

HIV-Infektion nach Verletzung durch Nadelstich ist selten

BADEN-BADEN (hae). Von Ärzten und medizinischem Personal gefürchtet sind HIV-Infektionen als Folge von Nadelstichverletzungen nach Kontakt mit HIV-Patienten. Realistisch betrachtet ist diese Gefahr jedoch sehr gering, so Dr. Albrecht Ulmer, Leiter einer HIV-Schwerpunktpraxis in Stuttgart.

In keinem der maximal 150 bekannt gewordenen Fälle in den vergangenen 20 Jahren sei es zur Infektion gekommen. Behandelte HIV-Patienten haben heute eine Viruslast nahe Null, so Ulmer beim MedCongress in Baden-Baden.

Das Risiko seien Patienten, die von ihrer Infektion nichts wissen und deren Viruslast sehr hoch sein kann. Dem Restrisiko vorbeugen lasse sich durch die routinemäßige Kopplung von Injektionen mit dem gesicherten Abwurf der Kanülen. Komme es dennoch zu Verletzungen, sei das Ausbluten der Wunde sinnvoll.

Problematischer seien die Anamnese des Patienten hinsichtlich einer Virusinfektion sowie zustimmungspflichtige HIV-Antikörpertests bei dem Patienten und dem Verletzten. "Stimmt der Patient nicht zu, müssen wir davon ausgehen, dass da möglicherweise ein Risiko ist und uns entsprechend verhalten", so Ulmer.

Zusätzlich zu HIV-Antikörpertests, die erst drei Monate nach Infektion verlässlich sind, sollten Hepatitis B, -C und Leberwerte erfasst werden, rät Ulmer.

Sinnvoll sei auch der Kontakt zu einem HIV-Behandlungszentrum. Eine Postexpositionsprophylaxe sei umso effektiver, je früher sie erfolge. Schon nach mehr als zwei Tagen Wartezeit werde deren Erfolg infrage gestellt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

1,4 Millionen Krebstote für 2019 erwartet

In diesem Jahr könnten in der gesamten EU mehr Menschen an Krebs sterben als noch vor Jahren. Doch es gibt auch eine gute Entwicklung. mehr »

Um den ÖGD steht es schlecht

Große Sorgen um den Öffentlichen Gesundheitsdienst äußern Bundesärztekammer und Robert Koch-Institut anlässlich des heutigen ersten „Tags des Gesundheitsamtes“. mehr »

Viel fernsehen erhöht Darmkrebs-Risiko

Bewegen sich Menschen, die jünger als 50 sind, wenig, steigt offenbar ihr Risiko für Darmkrebs. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Nurses' Health Study. mehr »