Ärzte Zeitung online, 17.07.2012

FDA lässt erstes Mittel zur HIV-Prophylaxe zu

SILVER SPRING (ars). Die Arzneimittelbehörde FDA hat in den USA erstmals ein Medikament zugelassen, das einer HIV-Infektion vorbeugen soll.

Damit ist nun der Weg frei, dass gesunde Menschen mit hohem Infektionsrisiko, etwa mit einem HIV-positiven Partner, ihre Ansteckungsgefahr verringern können.

Allerdings fordert die FDA, unbedingt zusätzlich Kondome zu verwenden. Das Medikament des US-Unternehmens Gilead Sciences besteht aus 300 mg Tenofovir and 200 mg Emtricitabin (Truvada®) und muss einmal täglich eingenommen werden.

Genauer gesagt handelt es sich um eine Indikationserweiterung, denn die Kombination ist bereits seit mehreren Jahren zur Aids-Therapie zugelassen.

Für die Anwendung in der Prävention stützt sich die FDA vor allem auf zwei Studien: In einer Untersuchung der National Institutes of Health lag das Risiko hetero- und homosexueller Männer und Frauen damit um 42 Prozent niedriger als mit Placebo.

Und in einer Studie der University of Washington, an der Paare mit einem HIV-infiziertebn Partner teilnahmen, war die Infektionsrate mit den blauen Pillen sogar um 75 verringert.

Kritiker warnen jedoch davor, dass viele Menschen sich in falscher Sicherheit wiegen und die trotzdem obligatorischen Safer Sex-Maßnahmen vernachlässigen könnten.

Zudem seien die Kosten mit mindestens 10.000 Euro pro Jahr sehr hoch. Ärzte befürchten weiterhin, dass HI-Viren resistent gegen Truvada® werden und dann später eine eventuell notwendige Therapie erschweren könnten.

Lesen Sie dazu auch:
HIV-Prävention: Täglich eine Pille für Gesunde?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Große Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können Ärzte wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Varizellen-Impfung – ein Segen für Kinder

Seit 2004 wird allen Kindern die Impfung gegen Windpocken empfohlen. Der Schutz ist eine Erfolgsgeschichte: Die Krankheit wurde zurückgedrängt und mögliche schwere Komplikationen werden vermieden. mehr »

So viel Zucker pro Tag darf's sein

Die Auswertung von Fachstudien ist eindeutig genug, um eine konkrete Obergrenze für den täglichen Zuckerkonsum festzulegen. Drei Fachgesellschaften haben sich nun auf eine Menge geeinigt. mehr »