Ärzte Zeitung, 20.09.2004

Sauerstoff-Therapie mildert Zystitis-Symptome

Behandlung in Druckkammer / Weniger Schmerzen und seltener Harndrang / Interstitielle Blasenentzündung

MÜNSTER (ikr). Wenn Patienten mit chronischer Entzündung der Harnblase (interstitieller Zystitis/IZ) eine herkömmliche konservative Behandlung nicht hilft, ist die hyperbare Sauerstoff-Therapie (HBO) offenbar eine weitere Option. In einer Pilotstudie hat sich dieses Verfahren als sehr effektiv erwiesen.

Patienten mit interstitieller Zystitis in der Druckkammer bei 1,4 bar Überdruck. Foto: van Ophoven

Herkömmliche Therapien, etwa mit Dimethylsulfoxid, Hyaluronsäure oder Anticholinergika, wirken oft nur kurzzeitig. Eine Alternative ist die HBO. "Die Behandlung in der Druckkammer hat sich bereits bei Zystitis infolge einer Strahlentherapie bewährt, und wie es aussieht, können wir damit auch IZ-Patienten helfen", sagte Dr. Arndt van Ophoven, Urologe an der Universität Münster, der "Ärzte Zeitung".

In einer Pilotstudie verbrachten sechs IZ-Patienten, denen keine der sonst üblichen Therapien half, 30 mal 90 Minuten in einer Druckkammer mit 1,4 bar Überdruck. Das entspricht einem Druck, wie er im Wasser in 15 Metern Tiefe herrscht. Die Patienten atmeten über eine Maske reinen Sauerstoff ein (European Urology 46, 2004, 108). Die Therapie dauerte fünf Wochen. Die Patienten wurden 15 Monate lang nachbeobachtet.

Vier Patienten bewerteten das Therapieergebnis als langfristig exzellent oder gut und gaben an, daß sich ihr Befinden anhaltend gebessert habe, das heißt, die Schmerzen waren geringer; zudem mußten die Patienten nur noch sechs- bis elfmal pro Tag zur Toilette statt 15- bis 27mal. Bei den übrigen Patienten wurden die Beschwerden nur kurzfristig gelindert. Die Behandlung wurde gut vertragen.

Der Erfolg der Überdruck-Therapie beruht vermutlich darauf, daß dabei Sauerstoff vermehrt auch in tiefe Geweberegionen eindringen kann und dadurch die Gewebeheilung induziert wird. Es läuft mittlerweile eine weitere Studie dieser Art mit mehr Patienten.

Weitere Informationen gibt es unter Tel.: 02 51 / 8 34 74 66 oder 02 51 / 8 34 80 01, E-Mail: avo@uni-muenster.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Viele falsche Vorstellungen, was Krebs verursacht

Stress, Handystrahlen und Trinken aus Plastikflaschen lösen Krebs aus, denken viele fälschlicherweise. Die wahren Risikofaktoren kennt nur jeder Zweite, so eine Studie. mehr »

Höherer Zuschlag für Terminvermittlung

Das Bundeskabinett will sich heute mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz beschäftigen. Am Entwurf wurde vorab noch gebastelt – er enthält wichtige Änderungen. mehr »

Die übersehene Speiseröhren-Entzündung

Lange glaubte man, die eosinophile Ösophagitis komme nur selten vor. Inzwischen zeigt sich: Es gibt immer mehr Patienten mit dieser chronischen Entzündung der Speiseröhre. mehr »