Ärzte Zeitung, 22.02.2005

Noch kein Schnelltest auf Tollwut in Sicht

ESSEN (dpa). Die Entwicklung eines Tollwut-Schnelltests dürfte sehr schwierig sein. "Einen Test, bei dem wir mit hoher Wahrscheinlichkeit Tollwut nachweisen oder ausschließen können, halte ich in naher Zukunft für nicht machbar", sagte Professor Michael Roggendorf, Leiter des Konsiliarlabors für Tollwut an der Universität Essen.

Das Problem bei der Tollwut ist, daß die Symptomatik sehr verschieden sein kann", sagte Roggendorf. Deshalb sei ein Labor-Schnelltest bei Organspendern - wie etwa für HIV oder Hepatitis B und C - wahrscheinlich nicht möglich. Bisher zeigten serologische Methoden bei an Tollwut erkrankten Menschen nur bei der Hälfte der Patienten ein positives Ergebnis an.

"Das heißt, auch wenn man einen Test machen würde, würden nur 50 Prozent der Infizierten erkannt werden", sagte der Direktor des Instituts für Virologie. Deshalb halte er einen solchen Test bei Organspendern derzeit nicht für sinnvoll.

Nach dem Tod eines Menschen dagegen könne Tollwut mittels einer Hirnbiopsie nachgewiesen werden. Da es sich bei Tollwut aber um eine extrem seltene Krankheit handelt, könne nicht bei jedem Multiorganspender eine solche Untersuchung gemacht werden. "Das steht nicht im Verhältnis", sagte Roggendorf. Nur unter besonderen Umständen wären Hirnbiopsien vor einer Organtransplantation zu rechtfertigen.

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