Ärzte Zeitung, 07.07.2005

Wirkungslose Antibiose deutet auf Pilzinfektion

Wirken zwei Antibiotika-Therapien bei Krebskranken mit Fieber nicht, sollte an eine Pilzinfektion gedacht werden

HAMBURG (KHS). Haben immungeschwächte oder krebskranke Patienten hohes Fieber, kann eine invasive Pilzinfektion die Ursache sein. Sprechen Patienten auf zwei verschiedene antibakterielle Therapien nicht an und lassen sich Pilze nachweisen, dann ist es Zeit für eine zusätzliche antimykotische Therapie.

Darauf wies Professor Wolfgang Fegeler beim Kongreß für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Hamburg hin. Der Mykologe von der Universität Münster zitierte eine Studie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft mit Patienten mit hämato-onkologischen Erkrankungen und unklarem Fieber.

Bei den Patienten waren zwei antibiotische Therapien erfolglos geblieben. Nachdem zusätzlich ein Antimykotikum gegeben wurde, verschwand bei 40 Prozent der Kranken das Fieber.

Fegeler sprach auch Probleme bei der Pilz-Diagnostik an. Ein Candidahefen-Nachweis etwa bedeute nicht, daß eine Mykose vorliege. Anders sei es, wenn wiederholt Candida im gleichen Untersuchungsmaterial, etwa Sputum, nachgewiesen werde.

    Einmaliger Pilz-Nachweis bedeutet nicht gleich Mykose.
   

Ein weiteres Problem bestehe darin, daß es bei invasiven Pilzinfektionen keine spezifischen Krankheitsbilder gebe. Um eine Therapie-Entscheidung treffen zu können, sind daher oft auch Antikörper- und Antigen-Nachweise oder eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zum Erregernachweis nötig.

Wegen ihrer oft schlechten Immunlage seien Krebspatienten und Patienten nach Organtransplantation für Pilzinfekte besonders gefährdet. Daran erinnerte Fegeler auf einem Symposium, das vom Unternehmen Pfizer unterstützt wurde.

Fegeler rechnet innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einer viel differenzierteren antimykotischen Therapie. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei etwa Voriconazol (VFend®), dessen Wirkspektrum Hefen, Aspergillen und andere Schimmelpilze umfasse, sagte Fegeler.

So ergeben sich laut Fegeler auch für Scedosporium apiospermum gut Therapiemöglichkeiten. Bei Pilzen der Ordnung Mucorales jedoch sei zur Zeit nach wie vor Amphotericin B hochdosiert die Therapie der Wahl.

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