Ärzte Zeitung, 23.01.2006
 

Resistente S. aureus gibt’s nicht nur in der Klinik

MRSA-Prävention in Pflegeheimen nötig / Sind Risikopatienten Keimträger, wird zur Sanierung geraten

BERLIN (sko). Potentiell gefährdete Patienten in Kliniken und Pflegeheimen, die Träger von Methicillin- resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) sind, müssen durch entsprechende Maßnahmen vor Infektionen geschützt werden. Eine generelle Sanierung aller Träger der Keime ist nach Ansicht von Professor Ulrich Höffler aber nicht möglich.

Venenverweilkanülen können eine Eintrittspforte für multiresistente Keime sein. Foto: B.Braun

Nach Angaben des Mikrobiologen vom Klinikum Ludwigshafen sind Infektionen mit MRSA nicht nur in Krankenhäusern sondern auch in Arztpraxen ein Problem. "Staphylococcus aureus ist der erfolgreichste und wendigste aller pathogenen Keime", sagte Höffler bei der Fortbildungsveranstaltung der Bundesärztekammer in Berlin.

Denn der Erreger besitze einerseits die Fähigkeit, sich als harmloser Keim auf der Haut und Schleimhaut zu vermehren, andererseits habe er das Potential behalten, invasive und lebensbedrohliche Erkrankungen hervorzurufen. In der Nase habe der Keim vermutlich deshalb eine ökologische Nische gefunden, weil er Epidermis mit Haaren und Talgdrüsen bevorzuge und die Haut in der Nase im Gegensatz zur restlichen Epidermis nicht gewaschen werde.

Beim Umgang mit dem Problem MRSA könne die komplette Sanierung aller Keimträger nicht die entscheidende Empfehlung sein, betonte Höffler mit Nachdruck.

Wichtig seien Präventionsmaßnahmen in Kliniken und Pflege-Einrichtungen, um Patienten mit potentiellen Eintrittspforten wie einem zentralen Venenkatheter oder einem Tracheostoma vor der Infektion zu schützen. So erfolgt zum Beispiel am Klinikum Ludwigshafen kein generelles Screening bei allen Patienten, sondern nur dort, wo Probleme entstehen könnten, etwa bei Patienten in der Herzchirurgie.

Keimträger werden dort zur Prävention mit Mupirocin-Nasensalbe dreimal täglich über fünf Tage behandelt und in dieser Zeit täglich am ganzen Körper mit verdünnter Octenidin-Lösung gewaschen. Eine Sanierung gelinge so bei etwa 62 Prozent der Patienten, sagte Höffler.

Um die Kosten bei der Untersuchung so gering wie möglich zu halten, empfiehlt Höffler, bei Patienten nur einen Abstrich aus beiden Nasenlöchern zu machen: "Mit einem Tupfer eineinhalb Zentimeter tief dreimal rum im linken Nasenloch, dreimal rum im rechten Nasenloch". Das Material sei einzuschicken mit dem expliziten Hinweis, daß es nur um den Nachweis von MRSA geht. Denn dann könne das Labor nur einen Nährboden in Rechnung stellen.

STICHWORT

Infektionen mit MRSA

Etwa 25 bis 37 Prozent der Normalbevölkerung sind nach Angaben von Professor Ulrich Höffler Träger von Staph. aureus. Bei Typ-1-Diabetikern, nicht jedoch bei Typ-2-Diabetikern, ist die Rate erhöht (56 Prozent Träger). Eine Studie in Hausarztpraxen in Ulm und Heidelberg hat ergeben, daß 0,7 Prozent von 627 untersuchten Patienten MRSA-Keimträger waren. Kommt es zum Infekt, geschieht dies vermutlich bei 80 bis 90 Prozent der Patienten durch direkten Kontakt, bei 10 bis 20 Prozent durch aerogene Übertragung. Zudem kann sich ein Keimträger selbst infizieren. Das zuletzt entwickelte Antibiotikum mit Wirksamkeit gegen MRSA ist Linezolid. Die Tagestherapiekosten liegen bei 364 Euro. (sko)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »