Ärzte Zeitung, 05.10.2006

KOMMENTAR

Zweifelhafte Mittel gegen Malaria

Von Thomas Müller

Im Zentrum Afrikas wird endlich etwas gegen Malaria getan. Das ist eine gute Nachricht. Wenn man sich aber die Mittel ansieht - Moskitonetze und DDT - dann dürften sich so manchem die Haare sträuben.

Zunächst ist es eine gute Idee, daß man die Bevölkerung wie jetzt in Kenia fast flächendeckend mit Moskitonetzen ausstattet - das dürfte die billigste und effektivste Methode gegen Malaria sein. Man fragt sich bloß, weshalb niemand früher auf die Idee kam und die paar Millionen Euro dafür auftrieb. Auch die Idee, Häuser innen mit DDT zu besprühen, ist nicht gerade brillant. Zur Erinnerung: Die Verwendung von DDT in der Landwirtschaft ist in Industrieländern seit den 70er Jahren verboten, weil sich die neurotoxische Substanz in der Umwelt anreichert.

Sicher, DDT soll in Afrika nicht großflächig versprüht werden, und die Gefahr, sich damit zu vergiften ist wohl geringer, als dort an Malaria zu sterben. Doch die WHO versuchte schon in den 60er Jahren ihr Glück mit DDT. Sie gab den Versuch zehn Jahre später wieder auf, als immer mehr Mücken dagegen resistent wurden. Wenn sich die WHO jetzt erneut für den Klassiker DDT ausspricht, dann zeigt das nur, wie verzweifelt die Lage ist.

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