Ärzte Zeitung, 15.11.2007

Patienten bringen aus der Klinik Problemkeime in die Praxis

Risikogruppen sind Diabetiker, Immunsupprimierte und Patienten mit Katheter

DÜSSELDORF (gvg). Bei jeder vierten in Kliniken nachgewiesenen Staphylococcus-aureus-Infektion in Deutschland sind die Keime multiresistent gegen Antibiotika. Durch gute Hygiene und systematische Tests lässt sich die Verbreitung eindämmen.

Deutschland stehe international bei den multiresistenten Staphylokokken (MRSA) schlecht da, so Dr. Markus Schimmelpfennig vom Gesundheitsamt Kassel. In den Niederlanden oder Skandinavien liegen die Quoten nur bei zwei Prozent.

"Die Klinikhygiene wird dort ernster genommen", sagte Schimmelpfennig. So bekämen in den Niederlanden Patienten mit erhöhtem MRSA-Risiko Einzelzimmer, bis ein obligater Test negativ ist. Auf dänischen Intensivstationen betreue eine Schwester je einen Patienten, was die Keimverschleppung minimiere.

Die Quote senken könne man durch systematische Suche nach MRSA-Infekten und Isolation der Patienten bis zum Ende einer Therapie. Schimmelpfennig forderte Eingangstests in Kliniken bei Diabetikern, Immunsupprimierten und Intensivpatienten.

Auch niedergelassene Ärzte sollten nach MRSA fahnden. "Diabetiker, Immunsupprimierte und Patienten mit Blasenkatheter oder PEG, die aus der Klinik kommen, würde ich regelmäßig testen", so der Experte. Dazu eignet sich ein Abstrich aus Nase, Leiste und einer Wunde: "Bei MRSA-Besiedlung ergibt das eine Trefferquote über 90 Prozent." Abrechnungstipp: Mit Ziffer 32006 ist der Test mit der Indikation "Infektkette klären" budget- und richtgrößenfrei.

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