Ärzte Zeitung, 21.11.2007

Kohlenstoff hält Harnweg-Katheter glatt

Mit Nanotechnik werden Bakterienbiofilme vermieden / Silberatome steigern die bakterizide Wirkung

DÜSSELDORF (hub). Miniroboter rauschen durch die Gefäße und lösen Gerinnsel auf, Nanosonden machen aus Menschen Mischwesen aus Maschine und Mensch: Cyborgs. So wird Nanotechnik oft beschrieben. Die Realität in der Medizin sieht anders aus: Fortschritte durch Nanotechnik gibt es vor allem bei der Behandlung von Oberflächen.

Bleiben Medizinprodukte, zum Beispiel Harnleiterschienen, im Körper, besteht bekanntlich das Risiko, dass sich Bakterien darauf ansiedeln. Schon nach wenigen Stunden bildet sich auf der Implantat-Oberfläche ein Biofilm, in den sich dann anorganische Salze einlagern. "Das Ergebnis ist eine Inkrustation - ein kristalliner Bakterienbiofilm", sagte Lisa Kleinen von der TU Kaiserslautern.

Die Folgen solcher Inkrustationen können erheblich sein: von einem banalen Harnwegsinfekt bis hin zur obstruktiven Pyelonephritis. "Der Bakterienbiofilm ist quasi ein chronischer Harnwegsinfekt. Unter wechselnden Antibiotika-Therapien entwickeln sich dann leicht multiresistente Keime", so Kleinen beim Medica-Kongress in Düsseldorf.

Bei ersten Zeichen von Komplikationen müssen solche Schienen gewechselt werden. "Im Extremfall kann die Verweildauer eines Standardimplantats nur wenige Tage betragen", so Kleinen.

Mit Hilfe von Methoden der Nanotechnik kann die Besiedelung von Harnwegsschienen, Dauerkathetern oder Drainagen verhindert werden. Auf die Oberflächen wird amorpher Kohlenstoff aufgetragen. Abhängig von den Herstellungsbedingungen können die amorphen Kohlenstoffschichten in Dichte und Aufbau variiert werden.

Durch den zusätzlichen Einbau von Fremdatomen können die Oberflächen für vielfältige Anforderungen angepasst werden. So hat etwa der Einbau von Nano-Silber eine zusätzliche bakterizide Wirkung. Amorpher Kohlenstoff eignet sich so zur Beschichtung von Implantaten, Kathetern, Gefäßprothesen, künstlichen Herzklappen oder auch Intraokularlinsen.

Mehr Informationen im Internet unter: www.nanobionet.de

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