Ärzte Zeitung, 02.06.2008

Adipositas schützt Gehirn vor Plasmodien

PARIS (wsa). Fettleibigkeit bietet Mäusen offenbar einen gewissen Schutz vor den Folgen einer Infektion mit Erregern der Malaria. Die Plasmodien vermehren sich zwar im Blut, dringen aber nicht in das Gehirn, so dass übergewichtige Mäuse länger als normgewichtige Mäuse leben.

Noch ist unklar, worauf die erhöhte Widerstandsfähigkeit der adipösen Mäuse beruht, so französische Wissenschaftler im "Malaria Journal" (7, 2008, 81). Die Forscher vom Institut de Recherche pour le Dévelopement in Paris infizierten je 14 adipöse und nichtadipöse Mäuse mit Plasmodium berghei. Bei den normalgewichtigen Tieren drangen die Plasmodien schnell in das Gehirn ein und führten in den meisten Fällen innerhalb von sechs Tagen zum Tod.

Bei den fettleibigen Tieren entwickelte sich keine zerebrale Malaria. Stattdessen vermehrten sich die Parasiten im Blut so stark, dass die Mäuse nach 18 bis 25 Tagen an einer schweren Anämie starben.

Eine mögliche Erklärung könnte darin bestehen, dass sich die Mutation im Leptin-Gen, die bei den Mäusen für die Fettleibigkeit verantwortlich war, auch auf das Immunsystem auswirkte, so Dr. Delphine Depoix (New Scientist 198 / 2658, 2008, 12). Vielleicht habe aber auch der bei den kranken Mäusen erhöhte Blutzuckerspiegel eine Bedeutung. Dieser würde der Reduktion des Zuckergehalts im Blut bei einer Malariainfektion entgegenwirken und könnte dadurch die Widerstandskraft verstärken.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »