Ärzte Zeitung, 26.06.2008

Stichverletzungen bald passé?

Sicherheitskanülen schützen effektiv vor Nadelstichverletzungen   

NEU-ISENBURG (ikr). Nadelstichverletzungen und die daraus resultierenden Folgen wie Hepatitis- und HIV-Infektionen sind nach wie vor recht häufig. So gibt es in Deutschland geschätzte 500 000 Nadelstichverletzungen (NSV) pro Jahr. Weltweit infizieren sich jährlich 66 000 Mitarbeiter des Gesundheitswesens durch NSV mit Hepatitis B und 1000 mit HIV. Der konsequente Einsatz von Sicherheitskanülen kann NSV drastisch reduzieren.

Blutabnehmen ist immer noch ein Sicherheitsrisiko, oft kommt es dabei zu Nadelstichverletzungen. Mögliche Folge: Hepatitis- oder HIV-Infektionen.

Foto: Klaro

Dass Kanülenstichverletzungen bislang immer noch keine Rarität sind, bestätigt eine aktuelle Fragebogenaktion an der Uniklinik Frankfurt am Main. Danach hat sich jeder dritte Krankenhausmitarbeiter mit direktem Patientenkontakt oder Kontakt zu Untersuchungsmaterial in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine NSV zugezogen.

Und: Jeder zweite Arzt hat eine solche Bilanz aufzuweisen (Trauma Berufskrankh 10-Suppl, 2008, 64). Konkret: 226 von insgesamt 720 befragten Mitarbeitern an der Frankfurter Klinik und 129 der 234 befragten Ärzte berichteten über eine NSV in den vergangenen zwölf Monaten.

Durch Sicherheitskanülen lassen sich NSV zuverlässig verhindern. "Dafür gibt es klare empirische Belege", so Dr. Frank Haamann, Arbeitsmediziner bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (Dtsch Med Wochenschr 133, 2008, 1054).

Und: In einer prospektiven Studie an der Uniklinik Heidelberg wurde untersucht, wie praxistauglich und effektiv Sicherheitskanülen sind. Im normalen Routinebetrieb wurden auf drei Krankenstationen die bis dahin üblichen Kanülen und Blutabnahmesysteme gegen Sicherheitssysteme ausgetauscht. "Die Studie war ein voller Erfolg. Im Beobachtungszeitraum trat keine einzige Stichverletzung mehr auf", berichtet Haamann.

Zum Schutz vor Nadelstichverletzungen bei der Thrombose-Prophylaxe und -therapie etwa trägt auch die neue Fertigspritze mit dem niedermolekularen Heparin Certoparin (Mono-Embolex®) mit ihrem automatischen Sicherheitssystem bei. Die Spritze hat aufgrund der Anwendungssicherheit und der Dosiergenauigkeit ein TÜV-Siegel bekommen, wie der Hersteller Novartis mitteilt.

Bei der Sicherheitsspritze handelt es sich um ein echtes Passivinstrument. Die Automatik, die den Anwender schützt, aktiviert sich von allein: Sobald dieser nach der Injektion den Kolben loslässt, bewegt sich die Nadel nach innen, sodass sie völlig abgeschirmt wird.

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