Ärzte Zeitung, 11.07.2008

Jena erhält Zentrum zur Sepsisforschung

Am "Septomics" werden Methoden erforscht, um Mortalität, Häufigkeit und Therapiekosten bei Sepsis zu senken

JENA (eb). In Jena entsteht jetzt ein Zentrum zur integrativen Sepsisforschung. Ziel ist die Entwicklung neuartiger Diagnose- und Therapieverfahren. Das Zentrum soll im nächsten Jahr seine Arbeit aufnehmen.

Intensivmedizin bei einem Sepsispatienten. Zu Sepsis gibt es in Jena bald ein Innovationszentrum.

Foto: Uniklinik Jena

Entstehen soll die weltweit einmalige interdisziplinäre Forschungseinrichtung mit dem Namen Septomics an der Jenaer Universität. Untersucht werden dort die molekularbiologischen und klinischen Aspekte der Sepsis. Nötig ist ein solches Zentrum, weil in Deutschland täglich etwa 140 Menschen an Sepsis sterben, so Professor Konrad Reinhart, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Jenaer Uniklinikum.

Bei Sepsis muss eine Therapie besonders schnell greifen

Über den Behandlungserfolg entscheidet, wie schnell die Infektion erkannt wird und ob die eingesetzten Antibiotika den Erreger wirksam treffen. "Wir brauchen völlig neue Diagnoseverfahren und Therapeutika für die Sepsis", fasst Reinhart das Ziel von Septomics in einer Mitteilung der Universitätsklinik Jena zusammen.

In der bisherigen Sepsisforschung war die Untersuchung der Erreger weitgehend getrennt von den Forschungen zur Abwehrreaktion bei infizierten Menschen. "Wir bringen beide Aspekte zusammen und verknüpfen Grundlagen- mit klinischer Forschung auf das Engste", so Reinhart, der bereits das bundesweite Kompetenznetzwerk "Sepnet" mit aufgebaut hat.

Wie in vorherigen Sepsis-Studien ist auch bei Septomics das Institut für Medizinische Mikrobiologie des Uniklinikums beteiligt. "Mit Erfindungen zum molekularen Nachweis von Sepsiserregern haben wir wichtige Vorarbeiten geleistet und werden die neuen Ansätze zur mikrobiologischen Diagnostik aus dem Zentrum in der Praxis erproben", so der Direktor des Instituts, Professor Eberhard Straube.

Septomics-Partner sind zudem die Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Hans-Knöll-Institut). Dort widmet man sich vorrangig Pilzen und deren Stoffwechselprodukten. Besonderes Interesse gilt dabei dem eigentlich harmlosen Hefepilz Candida albicans. "Wie und unter welchen Bedingungen er sich in einen aggressiven Infektionserreger verwandelt, beginnen wir gerade erst zu verstehen", beschreibt Institutsdirektor Dr. Axel Brakhage einen der Forschungsschwerpunkte.

Ergebnisse sollen rasch zu anwendbaren Tests führen

Die Ergebnisse der Grundlagenforschung im Labor sollen nach klinischen Tests schnell in anwendbare Produkte münden, deshalb wird das Innovationszentrum eng mit Jenaer Biotechnologiefirmen, insbesondere aus dem Bioinstrumente-Zentrum, zusammenarbeiten.

Jetzt beginnt die Ausschreibungsphase, um exzellente Nachwuchsforscher für Septomics in Jena zu gewinnen. Für hervorragende Arbeitsbedingungen setzt sich auch der Freistaat Thüringen ein. "Mit seiner Zusage für einen Laborneubau und der Finanzierung einer Arbeitsgruppe hat das Kultusministerium wesentlich zum Gelingen unserer Initiative beigetragen", sagte Universitätsrektor Professor Klaus Dicke.

Das neu zu errichtende Sepsiszentrum stellt nicht nur einen Forschungsschwerpunkt am Universitätsklinikum dar, betont der Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Klaus Benndorf. "Durch die Einbindung in den neuen Studiengang Molekulare Medizin, die Betreuung von Doktoranden und die Ausbildung von klinischem Studienpersonal wird es außer der Forschung auch den Lehrbetrieb bereichern."

Als Teil des Programms "Exzellenz schaffen - Talente sichern" fördert das Bundesforschungsministerium das neue Kompetenzzentrum mit 15 Millionen Euro.

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