Ärzte Zeitung, 26.09.2008

Praxis


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Hier stellt sich der Kandidat vor.

Bei septischem Schock setzen Intensivmediziner auf Tigecyclin

Das breite Wirkspektrum von Tigecyclin gegen resistente Keime nützt besonders Schwerkranken auf der Intensivstation.

Ob Patienten auf der Intensivstation überleben, hängt entscheidend davon ab, wie schnell und gut schwere Infektionen beherrscht werden. Mit Tigecyclin (Tygacil®) steht für die Therapie ein wichtiger neuer Baustein zur Verfügung. Das Präparat deckt dabei ein großes Spektrum relevanter Keime ab.

"Der Vorteil von Tigecyclin ist das breite Wirkspektrum gegen grampositive und gramnegative Erreger einschließlich vieler multiresistenter Stämme", hat Professor Markus Weigand von der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsklinik Heidelberg zur "Ärzte Zeitung" gesagt.

So erwies sich die Substanz in vitro wirksam gegen grampositive Problemkeime wie Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) oder Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE), ebenso gegen problematische gramnegative Erreger wie Acinetobacter baumanii oder Stenotro-phomax maltophilia. Das neue Antibiotikum blieb auch in Anwesenheit von Extended-Spectrum-Betalaktamasen (ESBL) wirksam, die von gramnegativen Bakterien gebildet werden.

Mit Tigecyclin war die Sterberate von Sepsis-Patienten sehr niedrig.

"Wir setzen Tigecyclin vor allem bei schweren intraabdominalen Infektionen und bei septischem Schock ein", sagte der Anästhesist: "Wenn wir bei septischem Schock eine empirische Therapie machen, dann bekommen etwa 80 Prozent unserer Patienten Tigecyclin." Berücksichtigt werden müsse allerdings die Wirksamkeitslücke der Substanz gegen Pseudomonaden. Diese Keime müssten mit einem zusätzlichen Antibiotikum abgedeckt werden.

Von den ersten 70 Patienten mit schwerer Sepsis und septischem Schock, die an der Heidelberger Klinik mit Tigecyclin behandelt wurden, haben Weigand und seine Kollegen die Therapie-Ergebnisse analysiert. Das Antibiotikum wurde dabei meist in Kombinationen mit anderen Präparaten eingesetzt. "Bei den schwer kranken Patienten war die Sterberate mit 30 Prozent wirklich niedrig", so Weigand. Es sei zu bedenken, dass dabei auch Patienten mit Verdacht auf resistente Keime oder nach Leber- oder Nierentransplantation behandelt wurden. Zum Vergleich: Das bundesweite Kompetenznetzwerk Sepnet hat in aktuellen Analysen bei schwerer Sepsis und septischem Schock Sterberaten von 40 bis 60 Prozent ermittelt.

Schwere unerwünschte Wirkungen von Tigecyclin hat Weigand nach eigenen Angaben nicht gesehen. Aus Studien sind Übelkeit und Erbrechen als häufige Nebenwirkungen bekannt. Das sei bei Intensivpatienten aber von eher geringerer Bedeutung. "Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Patient mit Tigecyclin-Therapie, der an Pseudomonas stirbt." Die Wirksamkeitslücke müsse daher unbedingt beachtet werden.

Schließlich weist Weigand auch auf interessante neue Ansatzpunkte für die Forschung mit dem Antibiotikum hin. So werde gerade untersucht, ob die Substanz bei schweren Infektionen die Produktion von Toxinen vermindern kann und ob damit immunologische Modulationen möglich sind. (eis)

Weitere Beiträge zur Serie:
"Innovationen - Forschung in Deutschland und international"

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