Ärzte Zeitung online, 19.11.2008

Experte: Keine größere Infektionsgefahr auf öffentlichen Toiletten

FREIBURG (dpa). Von öffentlichen und privaten Toiletten geht in Deutschland keine größere Infektionsgefahr aus. Man brauche zum Putzen auch keine speziellen antibakteriellen Toilettenreiniger, sagte der Freiburger Hygiene-Experte Franz Daschner anlässlich des Welttoilettentags, der an diesem Mittwoch weltweit für bessere Toilettenhygiene werben soll.

Im Vergleich zu vielen anderen europäischen und vor allem osteuropäischen Ländern sei die Hygiene auf deutschen Toiletten gut, sagte Daschner zur dpa. Es habe in den letzten 20 Jahren keine wissenschaftliche Studie gegeben, die gezeigt habe, dass eine Toilette jemals Ausgangspunkt für eine größere Reihe von Infektionen gewesen ist.

Die antibakteriellen Toilettenreiniger seien "totale Volksverdummung", sagte Daschner. "Wenn Bakterien irgendwo hingehören, dann doch wohl ins Klo und Waschbecken." Die Bakterien mit irgendwelchen Spezialreinigern zu verfolgen, sei geradezu pervers. "Die umweltschädlichen Mittel verunreinigen nur das Abwasser, in dem dann die Bakterien abgetötet werden, die eigentlich die Wasserreinigung übernehmen", sagte Daschner.

Eine Bürste und ein bisschen umweltfreundliches Scheuerpulver würden zum Reinigen der Toilette vollkommen ausreichen, sagte Daschner. Infektionen gebe es nur, wenn die Leute sich nach dem Toilettengang die Hände nicht waschen und so Keime in die Nahrung kommen würden.

Der Welttoilettentag wird seit 2001 jedes Jahr am 19. November von der Welttoilettenorganisation ausgerufen. Der Tag soll darauf aufmerksam machen, dass rund 2,5 Milliarden Menschen weltweit ohne Klo leben.

Daschner war bis 2006 Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg. Er erhielt als erster und bisher einziger Mediziner im Jahr 2000 den Deutschen Umweltpreis. Er wurde außerdem 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet und erhielt im Oktober dieses Jahres den Deutschen Solarpreis.

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