Ärzte Zeitung, 09.09.2009

Wird Prostatakrebs durch Virusinfektion begünstigt?

Spekulation über eine Vorbeugung durch Impfung

SALT LAKE CITY (ars). Prostatakrebs könnte ebenso wie Gebärmutterhalskrebs durch Viren ausgelöst sein. US-amerikanische Forscher haben Hinweise auf einen solchen Zusammenhang entdeckt.

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Foto: Sebastian Kaulitzki ©www.fotolia.de

In 27 Prozent der Gewebeproben von Männern mit Prostata-Ca haben Professor Ila R. Singh und ihre Kollegen einen Retrovirus nachgewiesen (PNAS online). Diese Patienten hatten zudem aggressivere Tumoren als Männer, bei denen diese Viren nicht vorkamen. Dagegen fanden die Wissenschaftler von der University of Utah in Salt Lake City das Virus nur bei sechs Prozent der gesunden Kontrollen.

Der Erreger mit dem Kürzel XMRV (xenotropic murine leukemia virus-related virus) schleust wie HIV sein Erbgut zur Vermehrung in die Chromosomen von Zellen ein. Dabei könnte er auch ein unkoordiniertes Wachstum von Gewebe verursachen, so die Autoren. Schon seit L ängerem ist er als Auslöser von Leukämien und Sarkomen bei Nagetieren, Katzen und Primaten bekannt.

Sollte sich der Zusammenhang zwischen XMRV und Prostatakrebs bestätigen, eröffnen sich neue Möglichkeiten der Prävention und Therapie. So könnte eine Impfung vor der ersten Infektion wie beim humanen Papillomavirus einer Erkrankung vorbeugen. Eine pharmakologische Hemmung der Virusreplikation wie bei HIV würde die Folgen der Infektion entscheidend mildern.

Widersprüchlich ist, dass XMRV auch bei gesunden Kontrollen gefunden wurde. Erklären ließe sich das mit einer sehr langsamen Induktion von Tumoren, so dass die Krankheit bei diesen Männern eben noch nicht manifest ist. Oder ein schon bestehendes Karzinom entging bei den Biopsien der Aufmerksamkeit, spekulieren die Forscher.

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