Ärzte Zeitung online, 14.09.2009

Forscher schauen Zellen bei Interferon-Produktion zu

BONN (eb). Forscher am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchten, in welchen Geweben und unter welchen Bedingungen lebende Organismen Beta-Interferon produzieren. Sie entwickelten eine Methode, um Interferon-Produktion live sichtbar zu machen. Die Forscher können mit ihrer Nachweismethode das Interferon-Abwehrsystem besser erfassen.

Arbeitsgruppenleiter Dr. Siegfried Weiß erklärt: "Mit dem neuen Werkzeug kann man immunspezifische Vorgänge eines vollständigen Organismus betrachten. Vermutlich kann es zukünftig sogar als Alternative für aufwändigere und kostspieligere Untersuchungen eingesetzt werden."

Dr. Stefan Lienenklaus arbeitet dafür mit einem gentechnisch veränderten Mausstamm: Haben diese Tiere eine Infektion, stellen sie neben dem notwendigen Beta-Interferon immer auch zusätzlich ein Enzym namens Luciferase her. Dieses übernimmt zwar keine Funktion bei der Immunabwehr, Lienenklaus kann es aber sichtbar machen. (J Immunol 183, 2009, 3229) "Ich injiziere der Maus eine spezielle Substanz. Sie verursacht gemeinsam mit der Luciferase eine biochemische Reaktion, bei der Licht freigesetzt wird." Da dieses für eine exakte wissenschaftliche Untersuchung aber nicht ausreicht, legt er die narkotisierte Maus in eine Dunkelkammer, um die leuchtenden Regionen darstellen zu können. Die Organe, die am stärksten leuchten, stellen die größte Menge des Enzyms und damit des Stoffes Beta-Interferon her.

Lienenklaus kann mit seinem Vorgehen Produktionsorte und -wege des Botenstoffes innerhalb eines lebenden Organismus optisch sichtbar machen. Er fand heraus, dass bestimmte Gewebe hohe Konzentrationen von Luciferase produzieren. Besonders der Thymus zähle dazu. Dieser weise Luciferase bereits bei infektionsfreien Tieren auf und setze auch den Botenstoff Beta-Interferon frei.

Im Thymus lernen Zellen des Immunsystems, welche Stoffe körpereigen sind. Wenn ein Organismus eigenes Gewebe von Fremdkörpern wie Bakterien oder Viren nicht zu unterscheiden weiß, greift er sich mit seinem Immunsystem selbst an und es entstehen Autoimmunerkrankungen. Beta-Interferon spielt bei diesen Erkrankungen eine Rolle, vermuten Wissenschaftler.

Interferone sind körpereigene Botenstoffe, die bei Infektionen eine Immunantwort anregen und die Abwehr von Krankheitserregern unterstützen. Besonders das Beta-Interferon spielt bei der Bekämpfung von Infektionen eine Schlüsselrolle. Ein Mangel an Beta-Interferon begünstigt bestimmte Viruserkrankungen, wie etwa Influenza.

Abstract der Studie "Novel Reporter Mouse Reveals Constitutive and Inflammatory Expression of IFN-ß In Vivo"

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