Ärzte Zeitung online, 22.12.2009

Geklärt: So dringen Abwehrzellen in Lymphgefäße ein

MARTINSRIED (eb). Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried haben jetzt erstmals beobachten können, wie Abwehrzellen durch kleine Öffnungen in der Gefäßwand der Lymphgefäße schlüpfen. Das neu gewonnene Wissen könnte auch bei der gezielten Tumorbekämpfung eine Rolle spielen.

zur Großdarstellung klicken

Abwehrzellen wandern in ein Lymphgefäß ein. Die Gefäße sind grün gefärbt. Die Abwehrzellen sind rot dargestellt.

Foto: Michael Sixt / © Max-Planck-Institut für Biochemie

Um Krankheitserreger effektiv zu bekämpfen, müssen Abwehrzellen abgelegene Stellen unseres Körpers erreichen können. Dazu nutzen sie zwei große Gefäßsysteme: das Blut- und das Lymphgefäßsystem.

Die Lymphflüssigkeit fließt in doppelwandigen Lymphgefäßen. Die innere Wand wird dabei von einem löchrigen Mantel umgeben. Diese zwei Barrieren muss die dendritische Zelle auf ihrem Weg zu den Lymphknoten überwinden.

Mit ihren Fortsätzen tastet sich die Immunzelle als erstes durch den löchrigen Außenmantel des Gefäßes. "Die Zelle schiebt einen Fuß in die Tür", beschreibt Sixt das beginnende Einwandern. "Dann dehnt sie die Öffnung immer weiter aus und schiebt ihren Zellkörper nach und nach hindurch." Nach dem Übergang schließt sich die elastische Öffnung wieder.

Doch noch ist das Ziel nicht erreicht. Die dahinter liegende Gefäßwand ist mit Ventilen ausgestattet, die wie Falltüren funktionieren. Sobald die Zelle die Falltür weit genug aufdrückt, kann sie hindurchschlüpfen und so ins Innere des Gefäßes gelangen.

Dort angekommen, lässt sich die dendritische Zelle zu ihrem Zielort, dem Lymphknoten, treiben. Es sind weder Hilfsproteine oder chemische Substanzen notwendig, um die Gefäßwand zu durchdringen. "Es handelt sich um einen rein mechanischen Vorgang", so der Forscher.

Das neu gewonnene Wissen um die Wanderungen der dendritischen Zellen in die Lymphgefäße, könnte auch bei der gezielten Tumorbekämpfung eine Rolle spielen. "Es ist wahrscheinlich", beschreibt Michael Sixt, "dass Tumorzellen ähnliche Mechanismen benutzen, wenn sie in Lymphgefäße eindringen, um schließlich im Lymphknoten Metastasen zu bilden."

Abstract der Studie "Preformed portals facilitate dendritic cell entry into afferent lymphatic vessels"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »