Ärzte Zeitung online, 10.05.2010

Staub mit Mäusedreck birgt Gefahr von Infektionen mit Hantaviren

Hantavirus-Erkrankungen nehmen zu. Kontakt mit Mäusen und ihren Ausscheidungen ist zu meiden.

Von Privatdozent Tomas Jelinek

Dieses Jahr könnte es eine starke Hantavirus-Saison geben, befürchtet das Robert Koch-Institut (RKI). Bundesweit wurden dem RKI bis zum 28. April bereits 266 Erkrankungen gemeldet. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2009 waren nur 181 Hantavirus-Erkrankungen registriert worden. Hauptsächlich betroffen von den Infektionen sind die Schwäbische Alb, der Bayerische Wald, die Main-Spessart-Region sowie das Osnabrücker- und das Münsterland.

Staub mit Mäusedreck birgt Gefahr von Infektionen mit Hantaviren

Solche pussierlichen Nagetiere können das Puumala-Virus übertragen.
© Dr. Qi Zhou, Peking

Hantaviren sind mit vielen Subtypen in unterschiedlichen Regionen weltweit verbreitet. In Deutschland treten ganz überwiegend Viren vom Typ Puumala auf. Die Viren gehören zur Familie der Bunyaviridae. Sie werden bei der Inhalation von Staub - etwa aus Gartenhütten - übertragen, der mit Ausscheidungen von Mäusen oder Ratten kontaminiert ist, seltener auch durch Hautkontakt oder Nagetier-Bisse. Die Europa vorherrschenden Virustypen werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

In Europa und Asien auftretende Hantaviren verursachen ein hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), an dem bis zu 15 Prozent der Betroffenen sterben. Das in Deutschland meist vertretene Puumala-Virus führt zu der eher mild verlaufenden Nephropathia epidemica mit sehr geringer Sterberate. Die Hantaviren des amerikanischen Kontinents wiederum führen zu einem Hantavirus-Kardiopulmonalen Syndrom (HCPS oder HPS). Aktuell werden gehäufte Krankheitsfälle aus dem Erdbebengebiet im Süden Chiles gemeldet.

Da es bisher weder eine Impfung noch eine kausale Therapie gegen Hantavirus-Infektionen gibt, sollte prophylaktisch der Kontakt mit Mäusen und ihren Ausscheidungen vermieden werden. Auch Reisende können - etwa bei Aktivitäten in der Natur oder beim Camping - einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein.

Ärzte-Merkblatt zu Hantaviren unter: www.rki.de, "Infektionskrankheiten A-Z"
Infos zur Reisemedizin: www.crm.de

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