Ärzte Zeitung, 30.05.2010

RNA-Fragmente stoppen Ausbruch von Ebola

BOSTON (mut). Eine neue Therapie kann womöglich auch Menschen nach Kontakt mit Ebola-Viren schützen. Darauf deutet zumindest ein erfolgreicher Versuch mit siRNA bei Primaten.

In dem Versuch hatten Forscher sieben Makaken mehrere Injektionen mit siRNA gegen das Ebola-Enzym Polymerase L verabreicht. Bei siRNA handelt es sich um kleine RNA-Fragmente, die sich gezielt an die Boten-RNA für ein bestimmtes Protein anlagern und damit die Produktion des Proteins verhindern. Drei der Tiere hatten Injektionen an den Tagen 1, 3 und 5 nach der Infektion bekommen, vier Tiere bekamen die siRNA an sechs aufeinanderfolgenden Tagen. In der Gruppe mit drei Injektionen überlebten zwei der Tiere, in der Gruppe mit sechs Injektionen überlebten alle Makaken die ansonsten letale Ebola-Dosis. Das Therapeutikum war in speziell entwickelten, sehr stabilen Nukleinsäure-Lipidpartikeln verabreicht worden (The Lancet 2010; 9729: 1896).

Die Forscher gehen davon aus, dass die Therapie mit siRNA bei Menschen ebenso hilfreich wäre, da Ebola bei ihnen ähnlich verläuft wie bei Affen. Derzeit wird siRNA auch bei anderen Infektionskrankheiten geprüft. Von Vorteil wäre das Verfahren zudem bei neuen Erregern: Sobald die Erbsubstanz des Erregers entschlüsselt ist, kann man eine spezifische siRNA herstellen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »