Ärzte Zeitung online, 22.06.2010

Ungeliebte Blutsauger - Läuse genetisch entziffert

NEW YORK (dpa). Sie piesacken ihre Gastgeber seit Millionen von Jahren, leben nur von deren Blut und müssen sterben, wenn sie länger von ihnen getrennt werden: Die Läuse teilen sich mit dem Menschen eine lange Geschichte. Zehn Jahre nach dem menschlichen Genom ist jetzt auch das Erbgut der Körperlaus Pediculus humanus humanus entziffert worden.

Forscher von 28 Institutionen in Europa, den USA, Australien und Südkorea stellten das Erbgut der ungeliebten Blutsauer am Dienstag im US-Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) vor.

Das Genom der Körperlaus ist kleiner als jedes andere bisher sequenzierte Insektenerbgut, erläutert der Entomologe Barry Pittendrigh. "Das Leben von Läusen ist sehr, sehr simpel", sagte Pittendrigh dem Magazin. "Sie leben entweder in unseren Haaren oder der Kleidung und haben nur eine Art Mahlzeit, unser Blut". Im Gegensatz zu der nahe verwandten Kopflaus kann die Körperlaus - auch Kleiderlaus genannt - Bakterien übertragen.

Die Auswertung des Läuse-Genoms könnte auch überraschende neue Erkenntnisse über den Menschen produzieren. Da die Tiere den Menschen durch dessen Evolution und Migration begleitet haben, soll die Analyse des Läuse-Genoms unter anderem verraten, wann der Mensch Kleidung zu tragen begann. Vor allem aber soll es dem Menschen helfen, die winzigen Blutsauger in Zukunft besser unter Kontrolle zu halten.

Zum Abstract der Originalpublikation in PNAS

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »