Ärzte Zeitung online, 09.07.2010

US-Forscher entdecken potente Antikörper gegen den Aids-Erreger HIV

WASHINGTON (dpa). Ein US-Forscherteam hat zwei menschliche Antikörper entdeckt, die im Reagenzglas mehr als 90 Prozent aller bisher bekannten HIV-1-Stämme unschädlich machen können.

US-Forscher entdecken potente Antikörper gegen den Aids-Erreger HIV

Der Antikörper VRC01 (grün und blau) heftet am HIV-1 Hüllprotein gp120 (grau) an und blockiert die CD4-Bindungsstelle (rot).

© dpa

Die Eiweißmoleküle mit den Bezeichnungen VRC01 und VRC02 neutralisieren mehr HIV-Stämme als alle anderen bisher bekannten Antikörper, wie die Wissenschaftler um Dr. John Mascola von den US-Gesundheitsforschungsinstituten (NIH) in Rockville (Science online) berichten. Die Forscher hoffen, anhand der jetzt aufgespürten Antikörper die Infektion mit dem Aids-Erreger besser verstehen und vielleicht sogar eines Tages einen Impfstoff entwickeln zu können.

Die Entdeckung dieser extrem breit neutralisierenden Antikörper sei ein aufregender Fortschritt, der die Bemühungen um die Entwicklung einer präventiven HIV-Impfung für die weltweite Anwendung beschleunigen werde, sagte der Direktor des NIH-Instituts für Allergologie und Infektionskrankheiten (NIAID) in Bethesda in Maryland, Professor Anthony S. Fauci.

Bisher hat sich die Suche nach einem HIV-Impfstoff vor allem deshalb als schwierig erwiesen, weil sich Aids-Erreger kontinuierlich verändert. Deshalb gibt es weltweit sehr viele HIV-Varianten. Die jetzt entdeckten Antikörper würden sich "an einen praktisch unveränderlichen Teil des Virus anheften, und das erklärt warum sie eine so außerordentlich große Zahl von HIV-Stämmen neutralisieren können", erläuterte Mascola, Vizedirektor des Vaccine Research Centers (VRC) am NIAID.

Die Forscher hatten die Antikörper aus dem Blut eines HIV-Infizierten isoliert. Dazu benutzten sie ein eigens modifiziertes Eiweißmolekül von HIV-1. Die beiden Moleküle VRC01 und VRC02 blockieren eine Andockstelle des HI-Virus, mit dem es sich an jene Zellen heftet, die es entern will. Ist diese CD4-Bindungsstelle besetzt, verhindert das bereits das Andocken der Virus an der Zelle.

Lesen Sie dazu auch:
Wie die Antikörper das Andocken der HI-Viren unterbinden

Topics
Schlagworte
Infektionen (15103)
Krankheiten
AIDS (3398)
Impfen (3497)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Wenn Frauen beim Sex Urin verlieren

Unwillkürlicher Urinabgang beim Geschlechtsverkehr tritt bei Frauen öfter auf, als viele glauben. Gesprochen wird darüber nur selten. Dabei könnte den Betroffenen geholfen werden. mehr »

Aufgeschlossen, aber schlecht informiert

Jugendliche und junge Erwachsene halten sich beim Thema Organspende für eher schlecht informiert. Trotzdem sind sie dafür wesentlich aufgeschlossener als Ältere. mehr »

Hirnschaden durch zu viel Selen

Fast blind und dement kommt eine Frau zum Arzt. Dieser findet das Problem: Sie hat lange viele Selenpillen geschluckt. Die Nahrungsergänzung schädigte ihr Hirn dauerhaft. mehr »