Ärzte Zeitung online, 23.09.2010
 

Resistente Bakterien in Möwenkot - fördern die Zugvögel die Verbreitung?

NEU-ISENBURG (eis). Zugvögel könnten Antibiotika-resistente Bakterien über große Distanzen verbreiten, fürchten Forscher aus Portugal. Sie haben solche Keime aus dem Kot von Weißkopfmöwen (Larus cachinnans) isoliert.

Resistente Bakterien in Möwenkot - fördern die Zugvögel die Verbreitung?

Vögel können auf Müllkippen unter anderem resistente Bakterien aufnehmen.

© Falkenauge / fotolia.com

Die Forscher haben 57 Kotproben mit Proteomics auf Antibiotika-resistente Keime untersucht (Proteome Science 2010; 8: 48). Dabei werden die Proben auf eine maximale Zahl an Bakterienproteinen untersucht, die mit Antibiotika-Resistenzen in Verbindung stehen.

Gefunden wurden verschiedene Enterokokken-Stämme, von denen einige resistent gegen das Reserveantibiotikum Vancomycin waren. Die Keime seien für gesunde Menschen wahrscheinlich harmlos, könnten aber bei abwehrgeschwächten Patienten zu schweren Infektionen führen.

Die Möwen erwerben die Bakterien wahrscheinlich, indem sie menschliche Abfälle fressen. Besonders auf Mülldeponien sind die Vögel in Europa nämlich häufige Besucher. Dafür spricht auch, dass die Forscher aus dem Kot von Aasfressern wie Füchsen ebenfalls resistente Bakterien isoliert haben.

Die Zugvögel fliegen über große Distanzen und könnten daher von großer Bedeutung für die weiträumige Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen sein, so die Forscher.

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