Ärzte Zeitung online, 29.09.2010

Das Tollwutrisiko wird in vielen Ländern der Welt noch unterschätzt

NEU-ISENBURG (eb). Weltweit tritt Tollwut noch in mehr als 100 Ländern auf. Hunde sind dabei zu 99 Prozent die Infektionsquelle des Menschen. Aber auch andere Tiere, vor allem Fledermäuse, können Virusträger sein, berichtet der "Impfbrief" zum Welttollwuttag.

Das Tollwutrisiko wird in vielen Ländern der Welt noch unterschätzt

Weltkarte der WHO zu Verbreitung der Tollwut. In den rot markierten Ländern besteht ein hohes Risiko für eine Infektion.

© WHO

Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich etwa 55 000 Menschen an Tollwut. Vermutlich ist mit einer erheblichen Dunkelziffer, insbesondere in Asien und Afrika, zu rechnen. Allein in Indien sollen nach Angaben des "Impfbriefs" jedes Jahr 20 000 Menschen an Tollwut sterben und in Afrika 24 000. Mehr als 15 Millionen Menschen erhalten danach jedes Jahr eine nachträgliche Tollwut-Immunisierung wegen möglicher Ansteckung. Ohne diese Maßnahme würden in Afrika und Asien jedes Jahr schätzungsweise 327 000 Menschen an Tollwut sterben, so der "Impfbrief".

Das Tollwutrisiko wird in vielen Ländern der Welt noch unterschätzt

Nicht immer wirken tollwütige Hunde so aggressiv.

© Novartis Vaccines

Tollwut verläuft praktisch immer tödlich. Erstmals gelang es 2005 in Milwaukee in den USA, ein Kind mit Fledermaus-Tollwut erfolgreich zu behandeln. Seitdem hat es weltweit etwa 30 Versuche gegeben, Erkrankte auf ähnliche Weise zu retten, gelungen ist es bislang jedoch nur in drei Fällen.

Situation in Deutschland

Deutschland gehört zu den Ländern Europas, in denen durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen, vor allem durch die orale Immunisierung der Füchse, die Tollwut bei Wild- und Haustieren getilgt werden konnte, berichtet das Robert Koch-Institut. Der letzte Tollwutfall in Deutschland trat im Februar 2006 bei einem Fuchs in der Nähe von Mainz auf. Die orale Immunisierung wurde noch bis einschließlich des Frühjahres 2008 durchgeführt; nach internationalen Kriterien sind weitere Impfaktionen in Deutschland somit nicht mehr erforderlich. Haus- und Wildtiere, insbesondere Füchse, werden jedoch weiterhin diesbezüglich überwacht.

Außer Deutschland erlangten in Europa auch die Schweiz, Finnland, die Niederlande, Italien, Luxemburg, Frankreich, Belgien sowie die Tschechische Republik durch die orale Immunisierung der Füchse offiziell den Status "tollwutfrei". Als frei von terrestrischer Tollwut gelten seit Langem auch Griechenland, Spanien, Portugal, Großbritannien, Irland und die skandinavischen Länder. In Ländern wie Polen, der Slowakei, Ungarn und Estland sind in den letzten Jahren nur noch sporadisch Einzelfälle von Tollwut gemeldet worden. In allen anderen europäischen Ländern bleibt die Tollwut bei Wild- und Haustieren nach wie vor noch ein Problem.

Für in Deutschland lebende Menschen bestehen gegenwärtig erhöhte Infektionsrisiken fast ausschließlich bei Reisen in Länder mit endemischen Vorkommen der Tollwut. Der letzte Tollwutfall bei einem Menschen in Deutschland trat im Jahr 2007 auf. Es handelte sich um einen Mann, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde.

www.impfbrief.de
Ein Ärztemerkblatt Tollwut unter www.rki.de, "Infektionskrankheiten A-Z"
www.worldrabiesday.org

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »