Ärzte Zeitung online, 17.12.2010

MRSA bei vielen Klinik-Patienten im Saarland

Winzig, aber oho: der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA. Jetzt wurden im Saarland erstmals Zahlen aus einem flächendeckenden Screening vorgestellt. Das Ergebnis: Etwa jeder 50. Patient schleppt die Erreger in Kliniken ein.

MRSA im Saarland weit verbreitet

Eingefärbte elektronenmikroskopische Aufnahme vom MRSA: Im Saarland soll nun ein "Infektionsatlas" über die Keime erstellt werden.

© Janice Haney Carr / CDC

HOMBURG (dpa). Im Saarland schleppen möglicherweise mehr Patienten den gefährlichen Keim MRSA ins Krankenhaus ein als in anderen deutschen Regionen.

Bei einer bundesweit beachteten Reihenuntersuchung fanden Mediziner bei 405 von 20.000 Patienten (2,02 Prozent) bei der stationären Aufnahme in saarländischen Kliniken MRSA-Keime, deutlich mehr als bei zwei vergleichbaren Untersuchungen. Das ist das erste Ergebnis einer laufenden Studie. Es wurde am Freitag am Uniklinikum in Homburg vorgestellt.

Mehrere zehntausend Menschen erkranken Schätzungen zufolge jährlich bundesweit nach einer MRSA-Infektion. Etwa 1500 davon sterben.

Die Studie im Saarland ist laut Uniklinik die erste umfassende ihrer Art in einem deutschen Bundesland. In der ersten Phase wurden seit Mitte Oktober acht Wochen lang Proben von mehr als 20.000 Patienten bei ihrer stationären Aufnahme in einer Klinik genommen.

"Das erste Ergebnis zeigt, dass wir im Saarland nicht in einem Land der Glückseligkeit leben", sagte Professor Mathias Herrmann, Direktor des Hygieneinstituts am Uniklinikum des Saarlands.

Ob das Problem in dem kleinsten Flächen-Bundesland tatsächlich größer sei als in anderen Teilen Deutschlands, könne noch nicht abschließend gesagt werden.

Es gebe erst zwei vergleichbare ältere Studien - aus der Region Münsterland sowie im Kreis Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen). Diese seien aber nicht so umfassend gewesen. Dort war bei 1,6 Prozent und 1,2 Prozent der aufgenommenen Patienten der MRSA-Keim festgestellt worden, also weniger als jetzt im Saarland.

Die Forscher wollen in den kommenden Monaten die erhobenen Daten auswerten, um Erkenntnisse über die Infektionswege, die Herkunft der gefundenen MRSA-Stämme und mögliche Risiko-Gruppen zu gewinnen.

Darauf aufbauend hoffen die Mediziner, Richtlinien im Kampf gegen MRSA entwickeln zu können - etwa durch Einführung einer Standarduntersuchung für Patienten aus einer Risikogruppe.

Informationen zum Projekt: www.mrsaar.net

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