Ärzte Zeitung, 22.03.2011

Tuberkulose verschwindet - und damit auch Know how

Sorge: Multiresistente Erreger nehmen weltweit zu

BERLIN (af). Tuberkulose - einst eine gefürchtete Krankheit - ist in Deutschland fast verschwunden. Die Zahl der Fälle ist von 4500 auf 4444 gesunken. Immer weniger Ärzte haben überhaupt eine Chance, dieses Krankheitbild zu sehen - und damit verlieren sie auch medizinisches Know how.

Das zeigen Untersuchungen des Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) und der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Ärzte habe die 34 Fragen der zwischen Januar und August 2009 vorgenommenen Studie weitgehend falsch beantwortet, sagte Professor Robert Loddenkemper vom DZK am Montag in Berlin. Der geringe Rücklauf von nur 70 auswertbaren Fragebögen von 800 zufällig ausgewählten Ärzten deute auf mangelndes Interesse und relevante Kenntnislücken, so Loddenkemper.

Schon die Inzidenz schätzte die Hälfte falsch ein. Fast drei Viertel der Teilnehmenden kennen nicht das Meldeverfahren für die Krankheit. Auch Optionen wie Pharmakotherapie, Chemoprävention und Interferon-Gamma-Tests waren nicht oder nur unvollständig bekannt.

Diese Entwicklung ist problematisch: In Osteuropa, wo mit Tuberkulose unzulänglich umgegangen wird, wachsen Multiresistenzen, die auch ins westliche Europa importiert werden können.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »