Ärzte Zeitung online, 26.07.2011

Oktoberfest - Salmonellen-Alarm im Ochsenstall

"Salmonellen-Alarm bei Wiesn-Ochsen" titelte der Münchner Merkur am Montag. Doch was hat es mit dieser Alarmmeldung auf sich? Könnten dieses Jahr womöglich die traditionellen Ochsenbraten-Semmeln ins Wasser fallen? Die "Ärzte Zeitung" fragte nach.

Oktoberfest - Salmonellen-Alarm im Ochsenstall

Ochsenbraterei auf dem Oktoberfest: Das Gesundheitsamt hat keine großen Bedenken wegen Salmonellenfunden.

© europapix / imagebroker / imago

MÜNCHEN (wst). Wie dem Münchner Merkur am Montag zu entnehmen war, werden im städtischen Gut Karlshof im Münchner Vorort Ismaning nicht irgendwelche Ochsen gemästet.

Dort werden auch jene gezüchtet, die sich während des herbstlichen Oktoberfestes der Landeshauptstadt auf dem Spieß des berühmten Wiesenzeltes "Ochsenbraterei" drehen.

Und just dieses städtische Gut sieht sich laut Merkur-Bericht schon seit Herbst 2010 mit Salmonellen des Stammes "Ohio" konfrontiert. Er zeichnet sich übrigens nicht durch eine besondere Pathogenität beim Menschen aus.

Von 266 seither unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen geschlachteten Tieren des insgesamt knapp 500 Stück umfassenden Bestandes wurde bei elf eine Salmonellose nachgewiesen. Ihr Fleisch musste laut Merkurs fachgerecht entsorgt werden.

Salmonellen zufällig entdeckt

Dr. Gerhard Schmid, Leiter des zuständigen Gesundheitsamtes München-Land, bestätigte auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" diese Angaben.

Allerdings sei das aktuelle Geschehen einem Zufallsbefund zuzuschreiben. Mastrinder werden nämlich nicht routinemäßig auf Salmonellen untersucht. Bei Geflügel kommt es weitaus häufiger zu einem Befall.

Der Infektionsherd im städtischen Gut wurde offensichtlich, weil im Herbst 2010 bei der Sektion eines anderweitig erkrankten Rindes zufällig auch ein intestinaler Salmonellenbefall, der bei diesen Wiederkäuern üblicherweise unauffällig verläuft, entdeckt wurde.

Nicht alle Rinder müssen geschlachtet werden

Eine Keulung des gesamten Ochsenbestandes erfordert ein solcher Salmonellenbefund nicht. Allerdings musste und muss ab Bekanntwerden dieser Diagnose jedes Rind aus dem betreffenden Bestand nach der Schlachtung gezielt bakteriologisch auf Salmonellen untersucht werden.

Bei negativem Ergebnis darf das Fleisch in die menschliche Nahrungskette, bei positivem Befund wird es entsorgt.

Auch darf ein Bestand mit einem dokumentierten Salmonellenbefall nicht einfach aufgefüllt werden. Vielmehr ist abzuwarten, bis das letzte Tier einer räumlichen Einheit den Gang allen Schlachtviehs gegangen ist. Danach darf der gründlich desinfizierte Stall neu besetzt werden.

Bedenkenlos in die Ochsensemmel beißen

Auf Gut Karlshof gelten inzwischen zwei der räumlich und personell sicher voneinander abgetrennten drei Stallungen nach diesen Regeln wieder als salmonellenfrei und auch beim dritten Stall ist dieser Status absehbar.

Die lückenlose Kontrolle auf Salmonellen nach der Schlachtung wird aber auch dann noch für einige Wochen bis Monate fortgeführt werden.

Zum Oktoberfest werde er jedenfalls bedenkenlos in eine Ochsenbratensemmel mit Fleisch aus diesem Gut beißen, sagte Schmid. Denn da es normalerweise keine entsprechenden Routinekontrollen gibt, ist die Ware aus dem Karlshof vorerst sogar besser als üblich auf Salmonellenfreiheit geprüft.

Und nach der heißen Grillpassage ist eine Übertragung lebender und damit infektionsfähiger Salmonellen ohnehin praktisch ausgeschlossen.

[27.07.2011, 11:35:26]
Rudolf Egeler 
Ochsen-Salmonellen
Das Hauptproblem dürfte aber nicht der Ochse, sondern der Mensch sein:
Wie bei der Hähnchenverarbeitung muss auch beim Ochsen(ganz)grillen am
Spieß gefordert werden, dass eine strengste Trennung der Rohwarenverarbei-
tung( einschl.Aufstecken am Spieß) und der Umgang mit dem fertig gegrill- tem Produkt erfolgt, die zudem auch durch scharfe Kontrollen der zust.Be- hörde auf Einhaltung geprüft wird.Eine strengere Eingangsuntersuchung der
mit diesen empfindlichen Waren beschäftigten Fronarbeiter ( siehe diverse Fernsehberichte) muss Voraussetzung für deren Anstellung sein - die Kosten
hierfür hat der Betreiber schon nach dem ersten gebratenen Ochsen wieder locker verdient.Mein Rat zuletzt: Wer gesund bleiben und gut essen will,
meidet halt diese Massenverköstigungen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »