Ärzte Zeitung online, 28.07.2011

28. Juli rückt 500 Millionen Hepatitis-Kranke in den Fokus

HANNOVER (eb). In Deutschland gibt es etwa eine Million Menschen, die chronisch an Hepatitis B oder Hepatitis C leiden; weltweit sind es etwa 500 Millionen. Trotzdem werden Lebererkrankungen sehr oft unterschätzt.

Aus diesem Grund hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im vergangenen Jahr den Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli zu einem offiziellen Gesundheitstag der WHO ernannt und so Hepatitis als ein weltweit bedeutendes Gesundheitsproblem anerkannt.

Wichtig sei ja, die Lebererkrankungen früh zu erkennen, erinnert die Deutsche Leberstiftung. Dann könnten Betroffene behandelt und Folgen wie Leberzellkrebs oder Leberzirrhose vermieden werden. Gerade Patienten mit Hepatitis B und C können inzwischen gut behandelt werden.

Große Hoffnungen bei der Therapie von Patienten mit Hepatitis C werden in neue Arzneien gesetzt. Eine neue Substanz (Boceprevir) wurde am 18. Juli für die Behandlung bei Hepatitis C in Europa zugelassen und ist jetzt auch in Deutschland erhältlich, ein zweiter Wirkstoff (Telaprevir) hat am 21. Juli von der Europäischen Zulassungsbehörde ein positives Votum erhalten.

Beide Präparate sind direkt wirkende antivirale Medikamente, sogenannte HCV-Proteaseinhibitoren. Sie hemmen das Virus in seiner Vermehrung, indem sie ein Schlüsselenzym blockieren.

Durch diese neue Wirkweise könnten viele Patienten erfolgreich behandelt werden, die mit der bisherigen Standardtherapie nicht geheilt werden konnten, so die Deutsche Leberstiftung.

Es wird sehr wichtig sein, dass die neuen Therapien sehr sorgfältig durchgeführt werden. "Wir raten den Patienten, sich von einem versierten Facharzt behandeln zu lassen. Nicht jeder Arzt hat die unbedingt notwendigen Vorkenntnisse, um die neuen Behandlungen optimal für den Patienten umzusetzen", wird Professor Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, zitiert.

"Es sind viele Faktoren bei den neuen Therapien zu beachten. So gibt es das Problem der Resistenzentwicklung und die Gefahr der Medikamenten-Interaktion. Aufgrund der zusätzlichen Nebenwirkungen muss der Facharzt auch Kollegen aus anderen Bereichen in die Behandlung einbinden und den Patienten umfassend betreuen." fordert Manns.

Für die Behandlung bei chronischer Hepatitis B werden seit einigen Jahren sehr erfolgreich direkte Virushemmer sowie Interferone eingesetzt, die das Immunsystem beeinflussen und die Virusvermehrung hemmen.

Damit kann das Hepatitis- B-Virus kontrolliert werden, so dass die Krankheit nicht weiter voranschreitet. Das gelingt aber inzwischen bei vielen Patienten nahezu ohne Nebenwirkungen. Neue Therapieansätze, etwa Medikamente, die den Eintritt des Hepatitis B-Virus in Leberzellen hemmen, werden in Deutschland aktuell erprobt, heißt es in der Mitteilung der Stiftung.

Schließlich führe das HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung die weltweit größte Studie zur Behandlung der Hepatitis Delta durch, die die schwerwiegendste aller Virusinfektionen der Leber ist.

Weitere Infos: http://www.deutsche-leberstiftung.de

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