Ärzte Zeitung online, 07.09.2011

Arsen gegen Afrikanische Trypanosomiasis

NEW YORK/GLASGOW (dpa/eb). Eine Modifikation an dem Antiprotozoikum Melarsoprol soll die Behandlung der lebensgefährlichen Afrikanischen Trypanosomiasis sicherer und einfacher machen.

Wie Mediziner von der Universität in Glasgow (Schottland) berichten, veränderten sie Melarsoprol so, dass er zumindest bei Mäusen keine giftigen Nebenwirkungen zeigte.

Bislang sterben fünf Prozent der mit der Arsenverbindung Melarsoprol behandelten Patienten an schweren Nebenwirkungen im Gehirn. Zudem könne das neue Präparat oral verabreicht werden. Bislang wird es i.v. verabreicht (PLoS Negl Trop Dis 5(9): e1308).

Die Schlafkrankheit verläuft in zwei Stadien, kommt in 36 afrikanischen Ländern vor und führt unbehandelt zum Tod, berichten Professor Peter Kennedy und Kollegen.

Melarsoprol wird bislang im zweiten Stadium der Erkrankung eingesetzt. Dann sind die Erreger bereits in das Zentrale Nervensystem eingedrungen.

Symptome der Krankheit können ein zunehmendes Schlafbedürfnis, Lähmungen und Krampfanfälle sein.

Die Krankheitserreger tragen den Namen Trypanosoma brucei (T.b.) gambiense (in Westafrika) und T.b. rhodesiense (in Ostafrika). Sie sind Einzeller und werden durch den Stich der Tsetse-Fliege übertragen.

Nun mischten die Forscher Melarsoprol mit Cyclodextrinen - laut Kennedy werden diese häufig verwendet, um Wirkstoffe wasserlöslicher und weniger giftig (toxisch) zu machen.

Dadurch könne Melarsoprol nun geschluckt werden. Im Labor schädigte der veränderte Stoff die Trypanosomen.

Mäuse, die sieben Tage damit behandelt wurden, seien geheilt worden, die Parasiten seien aus dem Hirn der Tiere verschwunden. Die Mäuse erhielten den Wirkstoff noch in Form von Tropfen, für den Menschen planen die Forscher jedoch Tabletten.

Ließen sich die Ergebnisse tatsächlich auf den Menschen übertragen, so könne die Dauer der Behandlung verkürzt und ein Teil der Patienten zu Hause behandelt werden.

Für das zweite Stadium der Schlafkrankheit gibt es weitere Therapien, die aber auch starke Nebenwirkungen haben. Ein neuer Wirkstoff befindet sich derzeit in ersten klinischen Studien, an weiteren Substanzen wird gearbeitet.

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