Ärzte Zeitung online, 03.10.2011

Immunologie - immer wieder einen Nobelpreis wert

NEU-ISENBURG (mal). Vor 110 Jahren, im Jahr 1901, wurde der erste Nobelpreis für Physiologie oder Medizin einem Forscher aus dem Bereich Immunologie zugesprochen: Emil von Behring hat der Diphtherie und dem Tetanus viel von ihrem Schrecken genommen.

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ist schon mehrfach Forschern zugesprochen worden, die sich mit Fragen aus dem Bereich der Immunologie auseinandergesetzt haben. Also auch mit Fragen, auf welche Weise sich der menschliche Körper mit mikroskopisch großen Bedrohungen von außen - oft Bakterien oder Viren - auseinander setzt.

"Jede dieser Forschungsarbeiten hat uns weitere Puzzlesteine in den Erkenntnissen geliefert, wie das Immunsystem mit einer Attacke von außen umgeht, wie es diese erkennt und wie es mit Eindringlingen in den Körper umgeht, ohne eigene Zellen oder Gewebe zu zerstören, heißt es auf der offiziellen Nobelpreis-Seite www.nobelpreis.org.

Die ausgezeichneten Arbeiten verdeutlichten aber auch, welche Fehlfunktionen es im Immunsystem geben kann und welche destruktiven Kräfte, die gegen das Immunsystem selbst gerichtet sein können, dabei freigesetzt werden.

Emil von Behring war Immunologe - und der erste Medizin-Nobelpreisträger

Angeführt wird die Liste der im Bereich der Immunologie aktiven Nobelpreisträger vom Berliner Arzt Emil von Behring, dem im Jahr 1901 für die Entwicklung der Serumtherapie der Preis zugesprochen wurde. Das Verfahren nahm der Diphtherie und dem Tetanus damals viel von ihrem Schrecken.

Behring hatte beobachtet, dass nicht die Diphtherie-Bazillen selbst, sondern die von ihnen produzierten Toxine Problem der Erkrankung Diphtherie sind, und dass das Blut von Tieren, die an Diphtherie erkrankt waren, ein das Diphtherie-Toxin bindendes Anti-Toxin enthält.

Mit der Nutzung dieser Anti-Toxine bei an Diphtherie Erkrankten hatte Behring das Prinzip der passiven Immunisierung entdeckt. Zusammen mit Paul Ehrlich entwickelte er ein reines hochkonzentriertes Serum.

War 1890 noch jedes zweite erkrankte Kind der Diphterie zum Opfer gefallen, so konnte die Sterblichkeitsrate durch das Serum bereits 1894, nachdem die Produktion des Serums gestartet worden war, schreibt die Universität Marburg.

Weitere Medizin-Nobelpreise für Immunologen

In der weiteren Liste der im Bereich der Immunologie forschenden Nobelpreisträger findet sich unter anderem Paul Ehrlich, dem 1908 für seine Arbeiten in der Immunologie zusammen mit Elia Metschnikow, dem Entdecker der Phagozytose, der Nobelpreis zugesprochen wurde.

Ebenfalls ausgezeichnet wurden der österreichische Pathologe und Serologe Karl Landsteiner, der unter anderem das Systems der menschlichen Blutgruppen mit den drei Hauptgruppen A, B und O entdeckt hat und 1930 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt wurde.

Am Ende der - jetzt zu ergänzenden - Liste der bisherigen Nobelpreisträger aus der Immunologie stehen Peter C. Doherty und Rolf M. Zinkernagel. Die beiden Forscher haben herausgefunden, wie das Immunsystem des menschlichen Körpers dazu in der Lage ist, virusinfizierte Zellen von nicht infizierten Zellen abzugrenzen.

1996 wurden sie dafür mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt.

Lesen Sie dazu auch:
Medizin-Nobelpreis für drei Immunologen
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