Ärzte Zeitung online, 24.10.2011

Indien neun Monate ohne neuen Polio-Fall

NEU DELHI (dpa). Die indische Regierung meldet große Erfolge im Kampf gegen Kinderlähmung und hofft auf eine baldige Ausrottung der einst weit verbreiteten Krankheit in dem südasiatischen Land.

In den vergangenen neun Monaten sei kein einziger neuer Fall aufgetreten, teilte das Gesundheitsministerium in Neu Delhi anlässlich des Weltpoliotags mit, den die Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich am 24. Oktober begeht.

Das sei die längste Periode seit Beginn der Bemühungen, die Krankheit zu besiegen. Die einzige Erkrankung in diesem Jahr sei im Januar im ostindischen Bundesstaat West-Bengalen gemeldet worden.

Anstrengungen werden verschärft

"Wir sind unserem Ziel nahe, aber gehen keine Risiken ein", sagte sagte Gesundheitsminister Ghulam Nabi Azad laut der Mitteilung seines Ministeriums.

"Die Anstrengungen im Land werden weiter verschärft, ums eine Zirkulation von Restbeständen des Polio-Erregers zu stoppen."

Nach Angaben des Ministeriums wird künftig jeder auftretende Fall einer Kinderlähmung als "öffentlicher Gesundheitsnotstand" behandelt.

Polio war in Indien lange endemisch

Die Bemühungen Indiens zur Ausrottung von Polio sind international gelobt worden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums markierte das Jahr 2010 den "Wendepunkt", als nur noch 42 neue Erkrankungen gemeldet wurden.

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht gehörte lange Zeit zu den weltweit letzten Ländern, in denen Kinderlähmung endemisch war. 1985 waren noch 200.000 Fälle diagnostiziert worden, zehn Jahre später war diese Zahl auf 50.000 gesunken.

In Deutschland gibt es seit mehr als 20 Jahren keinen einheimischen Polio-Fall mehr. Es ist aber weiter möglich, dass die Krankheit eingeschleppt wird, oder dass sich Reisende in anderen Ländern infizieren.

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