Ärzte Zeitung, 13.04.2012

Hintergrund

Das ist bei Pseudokrupp zu tun

Pseudokrupp tritt bei kleinen Kindern und meist nachts auf. Die Gefahr: Da Schleimhäute am Kehlkopf und Luftröhre anschwellen, steigern sich manche Kinder in eine schwere Atemnot hinein. Eltern sollten rasch handeln. Tipps zu den Sofortmaßnahmen gibt die Stiftung Kindergesundheit.

Von Lajos Schöne

Von Pseudokrupp sind am häufigsten Kinder zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr betroffen. In diesem Alter ist der Kehlkopfbereich sehr eng, gleichzeitig reagieren die Schleimhäute der Kinder jetzt besonders heftig auf Infektionen und Reizungen.

Nach den Daten der Gesundheitsuntersuchung KiGGS des Robert Koch-Instituts erkranken Jungen mit 8,4 Prozent zweimal häufiger an Pseudokrupp als Mädchen (4,6 Prozent). Starke Luftverschmutzung bei bestimmten Wetterlagen oder auch Passivrauchen steigern offenbar das Risiko.

Manche Kinder steigern sich bei einem Pseudokrupp-Anfall in einen lebensbedrohlichen Zustand hinein: Sie ziehen nur mühsam die Luft ein, sind unruhig, ihr Herz jagt, die Haut läuft blau an.

Manchmal entsteht der falsche Eindruck einer Besserung, wenn das Kind infolge der Atemnot völlig erschöpft ist. Auch das Bewusstsein kann getrübt sein.

"Soweit darf es nicht kommen!", warnt Professor Berthold Koletzko von der Stiftung Kindergesundheit: "Wenn sich der Lufthunger bedrohlich verschlimmert und Lippen, Hände oder Nasenspitze blau werden, muss das Kind sofort in die Klinik".

Beim ersten Auftreten eines Pseudokrupp-Anfalls wird das Kind in aller Regel in ein Krankenhaus eingewiesen und sicherheitshalber bis zum nächsten Morgen beobachtet.

Für feuchte oder kalte Luft sorgen

Eltern kann man Sofortmaßnahmen empfehlen, die dem Kind über den Anfall hinweghelfen. Das Wichtigste ist: Ruhe bewahren und das Kind auf den Arm nehmen und beruhigen. Beim Schreien schwillt nämlich die Schleimhaut weiter an.

Hektik steigert nur die Angst des Kindes und damit auch seine Atemnot. In der aufrechten Position auf dem Arm kann das Kind auch besser atmen als im Liegen.

Ein weiterer Tipp: Das Fenster öffnen, die Nachtluft erleichtert die Atmung. Ähnlich günstig ist eine feuchte Kammer. Das Kind soll feuchte Luft in aufrechter Haltung im Badezimmer einatmen. Dazu kann man mit der Handbrause heißes Wasser in die Wanne laufen lassen. Das Kind kann auch ausströmende kalte Luft aus dem Kühlschrank einatmen.

Nach dem Anfall braucht das Kind etwas Kaltes zu trinken, am besten kalten Himbeersaft oder Tee.

Im Winter häufiger

Da viele Viren als Ursache für den Krupp-Husten infrage kommen, muss in der kalten Jahreszeit häufiger mit Krankheitsschüben gerechnet werden. Sobald die Krankheit einmal aufgetreten ist, sollte Eltern für mögliche neue Krupp-Anfälle zum Abschwellen der Schleimhäute ein Notfall-Zäpfchen (oder ein Saft) mit Kortison verschrieben werden.

Das Zäpfchen muss im Kühlschrank aufbewahrt werden und sollte nur ein- oder zweimal pro Krankheitsfall gegeben werden. Antibiotika sind bei der fast ausschließlich viral bedingten Krankheit unnötig, betont die Stiftung in einer Mitteilung.

Nach dem dritten Geburtstag des Kindes werden die Krupp-Anfälle meistens leichter, nach dem sechsten hören sie in der Regel auf. Der Kehlkopf wird größer, und es kommt nicht mehr so leicht zu Verengungen.

Kehlkopfentzündung muss ausgeschlossen werden

Ausgeschlossen werden muss bei Kindern mit vermeintlichen Pseudokrupp-Anfällen aber immer eine potenziell lebensbedrohliche akute Kehlkopfentzündung (Epiglottitis).

Charakteristische Unterschiede sind, dass beim Pseudokrupp die Stimme rau, heiser bis tonlos ist, und dass das Schlucken nicht behindert und die Temperatur nur leicht erhöht (um 38° C) ist.

Bei der Epiglottitis verschlimmert sich das Befinden des Kindes schnell. Die Stimme klingt nicht heiser, sondern hell, leise und kloßig, wie mit einer heißen Kartoffel im Mund. Das Kind fiebert und will nichts trinken, weil ihm das Schlucken wehtut. Speichel läuft aus dem Mund.

Wegen ihres bösartigen Verlaufs muss ein Kind mit Epiglottitis unbedingt in die Klinik, so die Stiftung. Seit Einführung der Hib-Impfung (H. influenzae Typ b) ist die Inzidenz drastisch zurückgegangen.

www.kindergesundheit.de

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