Ärzte Zeitung, 07.02.2013

HNO

Bakterien-Trio verkompliziert Otitis media

H. influenzae, S. pyogenes und S. pneumoniae sind die drei wichtigsten Erreger komplizierter Verläufe von Otitis media bei Kindern.

STARNBERG. In einer prospektiven Untersuchungunter Führung von Professor Gerhard Grevers, Starnberg, an elf deutschen HNO-Zentren wurden bei 100 Kindern im Alter zwischen drei Monaten und fünf Jahren, die an Otitis media erkrankt waren, nach Spontanperforation des Trommelfells oder nach Parazentese Abstriche entnommen und daraus das Keimspektrum bestimmt (BMC Infectious Diseases 2012; 12: 312).

Positive Kulturen von H. influenzae fanden sich bei 21 Kindern; in 18 Fällen waren die Keime nicht typisierbar. S. pyogenes wiesen 13, S. pneumoniae zehn Kinder auf. H. influenzae dominierte besonders bei Kindern, die ein Jahr oder älter waren.

Bei den jüngeren überwog S. pyogenes. Letztgenannter Keim wurde überdies nur nach Otorrhö-Abstrichen gefunden, was die Auffassung stützt, dass Infektionen hier rasch zur Perforation des Trommelfells führen.

74 Prozent der Kinder hatten wenigstens eine Impfung mit einer siebenvalenten Pneumokokken-Konjugat-Vakzine (PCV7) erhalten. Von Daten aus den USA her ist bekannt, dass diese Vakzine hilft, ambulante Fälle von akuter Otitis media bei Kindern unter zwei Jahren zu vermindern.

Die Gesamtzahl der durch S. pneumoniae verursachten akuten Mittelohrentzündungen sinkt, wobei der relative Anteil der Beteiligung von H. influenzae und S.-pneumoniae-Serotypen, welche die Vakzine nicht erfasst, steigt.

Hinweise darauf finden sich auch in der vorliegenden deutschen Studie."Neue Pneumokokken-Konjugat-Vakzinen, die auch auf H. influenzae abzielen, könnten in Deutschland zusätzlichen Nutzen stiften", folgern Grevers und Kollegen.

Die Resultate der Studie beziehen sich auf Otitis-media-Fälle mit Perforation der Membrana tympani beziehungsweise mit Parazentese-Indikation - auf komplizierte Verläufe mithin. Daher lassen sie sich nicht ohne Weiteres auf das Gesamt der Otitis-media-Erkrankungen übertragen, wie die Autoren betonen. (rb)

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