Ärzte Zeitung online, 27.05.2014

Erythrozyten-Ersatz

Weniger Transfusionen, weniger Infekte

Eine Metaanalyse bestätigt die restriktive Gabe von Erythrozyten-Konzentraten: Das Risiko für therapieassoziierte Infektionen sinkt.

ANN ARBOR. In Ländern wie Deutschland besteht nur ein geringes Risiko, dass bei der Infusion von allogenen Erythrozyten Krankheitserreger übertragen werden. Trotzdem können Transfusionen die Entstehung von Infektionen begünstigen, weil sie die Immunantwort nachteilig verändern, was sich zum Beispiel im Anstieg von Entzündungsmarkern widerspiegelt.

Das ist offenbar auch dann der Fall, wenn - wie in Deutschland vorgeschrieben - ausschließlich Leukozyten-depletierte Blutprodukte verwendet werden. Es wird deswegen empfohlen, die Gabe von Erythrozyten-Konzentraten möglichst restriktiv zu handhaben.

Stationäre Patienten, die erst bei niedrigeren Hb-Werten Erythrozyten infundiert bekommen, entwickeln seltener schwere nosokomiale Infektionen als Patienten mit einer liberaleren Transfusionsstrategie. Das bestätigt eine Metaanalyse (JAMA 2014; 311(13): 1317-1326).

 "Pro 1000 Patienten, bei denen eine Transfusion von Erythrozyten erwogen wird, können 26 Patienten durch ein restriktives Vorgehen vor einer Infektion bewahrt werden", schätzen die Autoren aus Ann Arbor.

Studien mit 7539 Patienten ausgewertet

Sie stützen sich auf 18 randomisierte Studien mit zusammen 7539 Patienten. In den restriktiven Gruppen reichte der Hb-Schwellenwert für eine Transfusion von 6,4 bis 9,7 g/dl, in den liberalen Gruppen von 9,0 bis 11,3 g/dl. Das Risiko für eine (schwere) Infektion - Pneumonie, Mediastinitis oder Sepsis - betrug 11,8 Prozent bei zurückhaltender, 16,9 Prozent bei großzügiger Transfusionsstrategie.

Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 18 Prozent bzw. einer Number Needed to Treat (NNT) von 38: So viele Patienten dürfen erst bei niedrigeren Hb-Werten Erythrozyten-Konzentrate erhalten, damit eine einzelne therapieassoziierte Infektion verhindert wird.

Das Infektionsrisiko blieb im selben Maß reduziert, wenn nur Studien mit verblindeter Zuordnung bzw. mit weniger als 5 Prozent Studienabbrechern oder Protokollverletzungen berücksichtigt wurden.

Auch die Beschränkung auf Untersuchungen mit Leukozyten-depletierten Erythrozyten-Konzentraten änderte nichts an der Überlegenheit der restriktiven Vergabe. Wurden nur Studien einbezogen, in denen für die zurückhaltende Therapie ein Hb-Grenzwert unter 7 g/dl gesetzt war (n=4), dann ging die NNT zur Verhinderung einer Infektion sogar auf 20 zurück.

Anders ausgedrückt: Wenn erst bei einem Hb unter 7 g/dl transfundiert wird, können pro 1000 anämischen Patienten 49 Infektionen vermieden werden.

Der Zusammenhang zwischen Transfusionsstrategie und Infektionsrisiko variierte mit der Erkrankung der Patienten: Bei Sepsis, Hüft- und Kniegelenkersatz war die restriktive Therapie überlegen.

Kein signifikanter Unterschied fand sich bei kardialer Erkrankung, auf Intensivstation oder gastrointestinaler Blutung.

"Der ideale Hb-Grenzwert, bei dem der Nutzen einer Transfusion die Risiken überwiegt, kann sich je nach dominierender Pathophysiologie der zugrunde liegenden Erkrankung unterscheiden", schreibt der Autor eines "JAMA"-Editorials. (ple)

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