Ärzte Zeitung App, 21.10.2014

Premiere

Lungenpilz erstmals im Labor gezüchtet

KÖLN-MERHEIM. Die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie hat denunter Infektionsforschern sehr renommierten Wolfgang-Stille-Preis an die Arbeitsgruppe von Professor Oliver Schildgen, Krankenhaus Köln-Mehrheim vergeben. Er erinnert an den Infektiologen und früheren Vorsitzenden der PEG, Professor Wolfgang Stille (1935-2004).

Die Preisverleihung fand im Rahmen der 24. Jahrestagung der PEG am 17. Oktober 2014 in Weimar statt. Der Preis wird von AstraZeneca gestiftet und ist mit 10.000 Euro dotiert. Den Forschern ist es gelungen, den Lungenpilz Pneumocystis jirovecii erstmals im Labor zu züchten (mBio 2014, 5 (3), 1-10).

Nach bestem Wissen der Forscher ist dies weltweit und nach 105 Jahren des Versuchs einer Züchtung bisher nur ihnen gelungen.Für Patienten mit geschwächtem Immunsystem etwa bei HIV oder COPD sei das eine gute Nachricht, wird Schildgren in einer Mitteilung der Universität Witten / Herdecke zitiert.

Es bestehe nun zum ersten Mal die Möglichkeit, ein spezifisches Antibiotikum gegen diesen Pilz zu finden, der bereits 1909 zum ersten Mal nachgewiesen wurde.

Bisher war die Züchtung des Pilzes Pneumocystis jirovecii im Labor für unmöglich gehalten worden.

Air-Liquid-Interfaces ermöglichen Züchtung

Der Erfolg der Züchtung beruht auf einem ganz neuen Verfahren, das die Kölner Forscher von den Virologen entlehnt haben.

Dort sind sogenannte Air-Liquid-Interfaces schon seit längerem bei der Züchtung von Atemwegsviren erfolgreich im Einsatz. Diese Systeme bilden die Situation in der menschlichen Lunge nach: fünf bis sechs Zellschichten Lungengewebe haften auf einen Filterstoff in einer Flüssigkeit, die das Blut nachbildet, die Oberseite wird von Luft umströmt.

"Mit diesem System, das man für den Nachweis von Lungenviren im Laborfachhandel ganz normal bestellen kann, ist es uns gelungen, den Pilz zu züchten. Und wir konnten außerdem nachweisen, dass der Pilz sich in den Zellkulturen sehr aggressiv verhält", so Schildgen weiter in der Mitteilung. Denn der Pilz wächst eben auf den Zellen, die wiederum auf einem Filterstoff liegen.

Dieses System wird vor dem Versuch elektronisch auf "Dichtigkeit" gemessen, also ausgeschlossen, dass es darin Löcher gibt. "Wir konnten aber Teile des Pilzes, bildlich gesprochen, seine Wurzeln, unter dem Filterstoff nachweisen. Er hat also das Lungengewebe und den Filterstoff durchdrungen.

Das bedeutet, dass der Pilz in der Lunge ein Loch in die oberste Grenzschicht frisst. Das vermuten wir zumindest aus dem Laborversuch, am Menschen müssen wir oder andere Forscher das nun in der Zukunft erforschen. Jedenfalls könnte das der Mechanismus sein, mit dem der Pilz die Lungenentzündungen verursacht." (eb)

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